„Corönchen“ richten und weiterlaufen?

Vorwort

Wir stehen vor einem Paradigmenwechsel. Nichts wird mehr so sein wie vor Corona. Aber gilt das auch für unseren geliebten Laufsport? Ich meine ja.

Die eigene Welt bekommt Risse

Mit der coronabedingten Absagenflut mag für Viele eine Welt zusammengebrochen sein. Eine selbst zurecht gezimmerte Welt. Gebaut aus Hunderten von Laufkilometern, passend zusammengestellt aus Tempoläufen, Longruns und Intervallen. Penibel geplant und konsequent durchgehalten bis, ja: bis der Coronavirus kam. Total unpassend. Mitten in der Vorbereitung. Das Training lief doch. Rückschläge waren mit einkalkuliert. Kleine Rückschläge, so wie der, dass eine Trainingseinheit aus Termingründen mal ausfallen musste. Oder eine Erkältung, die auskuriert werden sollte.

Dunkle Wolken ziehen auf

Mich selbst hat die Influenza erwischt. Eine Woche vor dem Halbmarathon in Paris. Das war ein größerer Rückschlag, eine echte Herausforderung. Schließlich war ich in der Vorbereitung zum Hamburgmarathon im April. Paris sollte eine kleine Standortbestimmung bestimmen. Aber ich nahm die Herausforderung an, stornierte schweren Herzens Zug und Hotel in Paris. Da verdunkelten die ersten Coronawolken den Himmel über Frankreich. Viele andere waren schon in ihren teuren Hotels eingecheckt als kurzfristig dann doch die Absage kam. Sehr zum Ärger der gemeldeten Läuferinnen und Läufern. Für meine Frau und mich: Ein kleines bisschen „Glück im Unglück“. Mutig nahm ich den Trainingsplan für Hamburg wieder auf. 

Aus und vorbei

Was wird aus Hamburg? Ich ahnte es schon. Trotzdem hielt ich am Trainingsplan fest. Am Sonntag stand ein Longjog von 170 Minuten auf dem Plan, den ich konsequent durchzog. Zwei Tage später schwand die Hoffnung immer weiter. Doch der Laufplan musste erfüllt werden. Es sollte der letzte planmäßige Lauf sein. Am Mittwoch kam dann die Absage aus Hamburg. Aus und vorbei. Nein, ich war nicht geschockt oder verärgert. Alles deutete in diese Richtung, und es war auch gut so. Seither trainiere ich wieder auf „Normalniveau“ und halte mich fit für das nächste große Ding, für meinen Traum vom ersten Marathon. Doch wann wird der sein?  

Wir brauchen einen Paradigmenwechsel

Nein, nicht wegen der Absagen an sich oder den Alltagsbeschränkungen. Auch nicht, weil die Krankheit uns dauerhaft gesundheitlich außer Gefecht setzen würde. Mir kommen ganz andere Gedanken. Gedanken, was danach sein wird. Danach, wenn die Krise überwunden sein wird. WIE alles danach sein wird. Es wird kein „Weiter so“ geben. Es KANN kein „Weiter so!“ geben. Denn das, was war, hat uns ja dahin geführt, wo wir jetzt stehen. Das will die Welt nicht noch einmal sehen. Unsere Welt wehrt sich. Sie ist im Stress. Gestresst durch den Menschen. 

Auch die Läuferwelt ist global vernetzt

Das Laufen nach Ergebnissen, das Streben nach Bestzeiten, das immer Schneller und Weiter beim Laufen ist symptomatisch geworden für unsere sich immer rascher drehende Welt. Auch für uns Läufer gilt, umfassend vernetzt zu sein. Mit der Laufuhr und dem Handy. Mit den sozialen Netzwerken. Es wird getrackt und dokumentiert. Es wird geteilt und gepostet, was die Bandbreiten hergeben. GZSZ – Gute Zeiten, schlechte Zeiten, nicht nur als Daily Soap, sondern auch als Daily Posting in der allumfassenden Social-Media-Welt. Es ist hip geworden, zum Laufen nach Paris, Amsterdam und New York zu jetten oder wenigstens durch die halbe Republik zu reisen. Auch ich war davon infiziert: Paris, Hamburg und Berlin sollten es mindestens werden. 

Der Planet schreit: STOPP!

Viele Laufveranstaltungen sind bis auf Weiteres abgesagt. Und nicht nur das. Das öffentliche Leben steht nahezu still. Der Planet Erde hat genug vom Menschen, so scheint es. Wenn wir Glück haben, wird Corona nur ein Schuss vor den Bug gewesen sein. Und der Mensch entwickelt Medikamente und Impfstoffe, so wie er es immer schon getan hat und kommt wieder einmal damit durch. Wenn wir weniger Glück haben, wird das Virus „schlauer“ sein als wir und unsere Künstlichen Intelligenzen. Dann werden uns KI und Algorithmen wenig nützen, und wir werden über Jahre mit Mutationen zu tun haben, die uns weit mehr beschäftigen werden als der Wiederaufbau neuer globaler Lieferketten. 

„Corönchen“ richten und weiterlaufen?

Ich glaube nicht, dass es angesichts der Dramatik der Ereignisse möglich sein wird, mal eben schnell das „Krönchen zur richten“ und „weiter zu laufen“. Vielmehr könnte uns bewusst geworden sein, dass wir die Welt insgesamt anders denken müssen. Weniger Globalisierung, mehr Lokalisierung. Weniger Künstliche Intelligenz, mehr menschlicher Verstand. Mehr Dorfläufe statt Megacity-Marathons. Den Fußabdruck im heimischen Wald hinterlassen, anstatt in einer Co2-Bilanz. Vielleicht kommen dann auch in unseren Flüssen und Seen längst verschwundene Fische zurück wie in Venedig die Delfine. (https://www.n-tv.de/panorama/Delfine-kehren-in-Italiens-Haefen-zurueck-article21652835.html) Das wäre wünschenswert. Doch voraussichtlich wird es erst noch viel schlimmer werden, bevor es besser wird.

Zur Vertiefung lest bitte auch folgenden Artikel vom Zukunftsforscher Matthias Horx: „Die Welt nach Corona“

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2 comments

  1. Dan - Antworten

    Erst einmal muss ich sagen das der Artikel toll geschrieben ist. Ja ich denke auch das es nie mehr so sein wird wie vor dem Virus. Und in einer Hinsicht freud es mich auch ein wenig, denn im Moment sieht es ja wirklich aus als würde Die Welt sich erholen. In den Ländern mit Smog alarm ist endlich für die Menschen der Himmel mal wieder zu sehen, Flüsse sind wieder klar usw. Mann kan wirklich nur hoffen das der Mensch jetzt aus dieser Krise lernt.
    Ja und beim Laufen? Wie schon in dem Text, ich will hoffen das man sich da was beschenkt. Klar ist laufen in new York, Barcelona, Berlin, Hamburg, Tokio, Dubai und co eine tolle Sache. Aber auch gleichzeitig eine starke Belastung für die Umwelt. Ich war nie einer der weite Reisen auf sich nimmt oder genommen hat um dann dort 10 21 oder 42km zu laufen, ich bin einer der die heimische Umgebung abläuft. Zu Veranstaltungen wenn überhaupt dann nur in einem kleinen Umkreis. Es gibt doch nichts schöneres (für mich) als durch die Natur zu laufen, an Wälder und Flüsse vorbei, Rehe, Hasen und ja auch mal Wildschweine zu treffen. Und einfach eins werden mit der Natur. Und diese Zeiten kann ich dann auch mit der ganzen Welt teilen wenn ich will, und habe gleichzeitig noch schöne Bilder dabei😊. Aber irgendwie denke ich der Mensch wird nicht allzuviel aus der Krise lernen. Lg Dan

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