HDL & LDL. Die Mär vom bösen Frühstücksei.

Das Beste im Ei ist nicht das Beste für den Mann




Berge von Eidottern stapeln sich Sonntag für Sonntag auf den Tellern besorgter Ehefrauen, die aus den Frühstückseiern ihrer vom hohen Cholesterin geplagten Ehemänner sorgfältig das gefährliche Eigelb herauskratzen, bis die letzte Spur beseitigt ist. Zurück bleiben labberige Eiweißreste, die kaum mehr Halt im Eierbecher finden und Millionen frustrierter Männer, die beim traurigen Anblick ihrer kastrierten Frühstückseier weinen mögen.  Geschmacklos. Optisch wie gustatorisch.

Das Beste im Ei ist nicht das Beste für den Mann, glauben immer noch all jene, die sich ob der Horrorgeschichten über das „böse“ Cholesterin zu den Bewahrerinnen ihrer Ehegatten erheben.  Schluss damit! Alles Märchen, die in vielen Studien längst widerlegt sind und die das Leiden der Männer UND der Eier nur unnötig verlängern. Doch was hat es auf sich mit dem Cholesterin und der Ernährung?

 

Blutfette

Meine Blutfette aus Februar 2017

Dem LDL davonlaufen?

Im letzten Jahr habe ich das Laufen angefangen. Zum Beweis dafür, dass ich es ernst meine, habe ich hier mein Lauftagebuch online gestellt.  Der Plan mit dem Laufen war es, den hohen Blutfetten zu entkommen, ihnen praktisch davonzulaufen. Nach einem halben Jahr hat sich Überraschendes getan – nämlich überraschend gar nichts. Zuvor waren die Werte kaum anders. Das mit dem Sport hätte ich – zumindest aus dieser Motivation heraus – auch bleiben lassen können. Zu allem Überdruss hat mir das mein Arzt auch gesagt, und zwar direkt, mitten ins Gesicht. Hilft eine Umstellung der Ernährungsgewohnheiten? Ja. Durchaus empfehlenswert, wird aber am Cholesterinwert kaum etwas ändern. Warum? Weil der Großteil des Cholesterins vom Körper selbst produziert wird. Führt man ihm nun Cholesterin über die Nahrung hinzu, reguliert der gesunde Körper die eigene Produktion auf ein konstantes Niveau.

Herzkranzgefässe ok?

Liegt dieses Niveau – wie bei mir – konstant bei 202 mg/dl, dann kommt das nicht vom Frühstücksei sondern hat vermutlich andere Gründe.  Die Ursache von Fettstoffwechselstörungen liegt in den Genen, was sich in meinem familiären Umfeld auch belegen lässt. Bypässe und Stents sind hier längst im Einsatz, was in mir die Vermutung reifen ließ, ich stünde ebenfalls kurz vor dem Infarkt. Ich wollte deshalb unbedingt wissen, ob durch meine Gefäße noch genügend Blut fließt oder ob ich mit einem baldigen und überraschenden Ableben durch Herzschlag rechnen muss. Die Carotis Doppleruntersuchung zeigte keine Ablagerungen. Auch die Herzkranzgefäße waren ok. Das Belastungs-EKG zeigte keine Auffälligkeiten auch wenn ich dabei auffällig außer Atem kam.

Statine sind nichts Archäologisches

Die Erleichterung, dass mein Leben erst mal weitergeht, war natürlich groß, was mich zu der Frage brachte, wie ich das Cholesterin-Problem dauerhaft in den Griff bekommen würde. Ohne Umschweife wurde mir diese Frage ebenso direkt wie schonungslos beantwortet: Statine. Zu deutsch: Blutfettsenker. Herzlichen Glückwunsch! Jetzt kannst auf jedem ärztlichen Fragebogen dein Ja-Kreuz immer dort machen, wo steht: „Nehmen Sie regelmäßig Medikamente ein?“ Das erste Mal in meinem Leben merkte ich (abgesehen von der Sache mit der Brille): Der biologische Abstieg hat begonnen. Manchmal kann medizinischer Fortschritt auch Rückschritt sein – gefühlt, mein´ ich.

Die Gene sind´s

Meine Großeltern und deren Geschwister sind alle um die 90 Jahre alt geworden. Niemand von ihnen ist an einem Herzinfarkt gestorben. Es ist außerdem zu vermuten, dass sie sich im Alltag weniger bis gar nicht mit ihren Fettstoffwechselproblemen oder Triglyceriden beschäftigt haben dürften. Sie hatten in ihrer Zeit bestimmt Wichtigeres zu tun, als in sinnlosen Blogs Antworten auf Fragen zu „schlechtem“ oder „gutem“ Cholesterin zu finden. Mit Sicherheit hatten sie auch mehr körperliche Bewegung  und waren nicht darauf angewiesen, ihre Blutfette in irgendwelchen Fitnesstempeln wieder ins Gleichgewicht zu strampeln. Warum also sollte ich das tun, wo Bewegung eh nichts bringt und eine Ernährungsumstellung zwar ein guter Ansatz ist, aber wenig mit den geerbten Genen zu tun hat, und diese damit nicht die Lösung sondern das eigentliche Problem sind? Und was hat das ganze mit den Eiern zu tun?

Die Frage ist ebenso simpel wie schnell beantwortet:

  1. Die genetische Veranlagung entscheidet, wie viel Cholesterin produziert wird
  2. Eier enthalten hochwertiges Eiweiß, ungesättigte Fettsäuren (sogar 65% im Dotter), Vitamine und Mineralstoffe
  3. Eier sättigen länger als Kohlehydrate (=Zucker)



And now: „Track your Food!“

Als sehr sinnvoll empfand ich es, einmal einige Tage mein Essen zu „tracken“, was ich auch in einem Blogartikel zusammengefasst habe. Meine Cholesterinwerte werde ich allein durch eine Ernährungsumstellung zwar nicht in den Griff bekommen, doch achte ich mittlerweile mehr darauf, den Konsum von Kohlehydraten zu reduzieren, die im Grunde aus Zuckermolekülen bestehen. Wer einmal Nudeln oder Reis zu lange gekocht hat, weiß, wovon ich spreche. Liebhaber der mediterrane Küche haben bei einer gezielten Ernährungsumstellung einen großen Vorteil. Die Verwendung von Olivenölen, die Bevorzugung von pflanzlichen statt tierischen Fetten, das Essen von mehr Fisch, Gemüse und Obst begünstigen den Fettstoffwechsel. Einschränkungen beim Alkoholkonsum verbessern den Fettstoffwechsel ebenfalls, weil die Leber ansonsten zuvorderst mit dem Abbau des Alkohols beschäftigt ist. Die Zufuhr ungesättigter Fettsäuren beeinflusst den Cholesterinspiegel zwar positiv, wird aber einen stark erhöhten LDL-Wert wie z.B. meinen von 202 mg/dl niemals auf ein Niveau bringen, das gemeinhin als „normal“ bezeichnet werden könnte.


Bildnachweis: lizenzfrei von www.pexels.com, Daniel Bär

 

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