Endocannabinoide? – Was beim Laufen glücklich machen soll…

Runner´s High – das geile Gefühl der Allmacht




Über den „Runner´s High“ ist schon viel geschrieben worden. Das Thema darf auch hier nicht fehlen. Ob es ihn gibt? Definitiv. Was ihn auslöst? Das ist noch nicht abschließend geklärt. Tatsache ist, dass ich nach jedem Lauf immer eher das Gefühl kriege, sofort wieder laufen zu müssen. Geht es Euch auch so?  Besonders nach meinem letzten Sonntagslauf, bei dem ich erstmals über 18 km gelaufen bin, wollte ich schon während dessen nicht mehr aufhören zu laufen. Luftmäßig hätte es locker für das Doppelte gereicht, körperlich spürte ich die Belastung jetzt an meinen Knien. Das signalisierte mir, es für heute dabei zu belassen. Schließlich will ich ja in ein paar Tagen wieder laufen. Heute ist Dienstag, und ich könnte schon wieder los…

Früher dumme Sprüche „geliked“

Vor einem Jahr noch habe ich alle Läufer belächelt, die sich freiwillig ein paar Sportschuhe anzogen, um dann planlos im Wald herumzulaufen. Auch hatten sie keinen besonders glücklichen Gesichtsausdruck. Ich machte mein „LIKE“ unter Sprüche wie: „Ich habe noch nie jemanden beim Joggen lachen gesehen. Und das ist alles, was ich dazu wissen muss!“ Ich hatte weniger als gar kein Verständnis für den Hype um die aufkommenden „Volksläufe“. Sie waren für mich ein lästiges Verkehrshindernis. 

Vorfreude hat schon Kultstatus erreicht

Jetzt forsche ich nach dem Grund, warum ich nicht mehr aufhören kann zu laufen. Ich fühle mich angekommen in der Familie der Läufer, mit der ich bisher so gefremdelt habe. Die Vorfreude auf den nächsten Lauf, endlich das schreigelbe Laufhemd überzuziehen, die Schuhe zu schnüren, meinem Technikwahn zu frönen, Pulsuhr, Handy und Kopfhörer klar zu machen, haben bei mir schon fast Kultstatus erreicht. Auch wenn ich nur ein durchschnittlicher Freizeitläufer bin, entwickelt das Laufen immer mehr Eigendynamik. Anders als bei anderen Sportarten fühle ich mich nicht mehr zum „Training“ gezwungen, sondern tue es freiwillig. Eine Freiwilligkeit, die ich allen anderen Läufern noch vor einem Jahr abgesprochen habe. Es war für mich unvorstellbar, wie man derart intrinsisch motiviert sein kann, „einfach so“ in der Landschaft herumzulaufen.

Geheime Drogen

Doch es wird gemunkelt, dass der Körper dem Gehirn  geheime Stoffe ins Innere schütten soll, die einen regelrechten Rausch auslösen und ein Gefühl des „Ewig-Weiterlaufen-Könnens“ hervorrufen. Die Schmerzempfindlichkeit soll dabei reduziert werden, und es soll sich ein allgemeines „Hochgefühl“ einstellen. Ist es mit dem Laufen vorbei, will man schnell mehr davon…

Ja, das kann ich so bestätigen ????Doch woher kommt das?

Endocannabinoide

Wissenschaftler, die das Phänomen des „Runner´s High“ untersucht haben, kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen. Während lange Zeit angenommen wurde, dass körpereigene Endorphine  für den rauschähnlichen Zustand verantwortlich sind, wurde in neueren Untersuchungen festgestellt, dass die im Blut ausgeschütteten Stoffe, nicht die Blut-Hirn-Schranke passieren können. Somit können sie im Gehirn nicht diese Effekte auslösen. Stattdessen werden Endocannabinoide ins Spiel gebracht.  Diese körpereigenen Stoffe sind fettlöslich und docken sich an entsprechende Rezeptoren im Gehirn an. Nachstehend habe ich Euch drei Artikel zum Thema „Runner´s High“  herausgesucht.

Fazit

Laufen kann süchtig machen – im positiven Sinn.  Problematisch wird das Verhalten allerdings dann, wenn das soziale Umfeld darunter leidet, Freunde und Familie vernachlässigt werden. Aber auch, wenn Schmerzen ignoriert werden und Entzugserscheinungen auftauchen (Gereiztheit, Aggression, depressive Verstimmungen). Dabei wird die (krankhafte) „Sucht“ weniger durch die körpereigenen Stoffe ausgelöst als vielmehr durch den Zwang von außen. Die größten Rollen nehmen dabei gesellschaftliche Normen, äußere Idealbilder und auch mangelndes Selbstbewusstsein ein. Beim Netdoktor habe ich dazu einen interessanten Artikel gefunden.

Bleibt locker

Allen „Suchtbolzen“ weiterhin viel Spaß beim Laufen! Bleibt auf dem Boden und entschwebt auf Eurer Dopaminwolke nicht Euren Freunden und Familien. Laufen soll Spaß machen. Lasst Euch nicht von außen unter Druck setzen. Es wird immer welche geben, die noch schneller und noch weiter laufen als Ihr. Es wird immer die geben, die mehr Kilometer und mehr Wettkämpfe bestritten haben als Ihr. Seid stolz auf das Erreichte und bleibt Euch treu!

Was macht Euch beim Laufen glücklich? Über Eure Berichte und Erfahrungen in den Kommentaren freue ich mich. 


Fotos: lizenzfrei www.pixabay.com, © Daniel Bär


2 comments

  1. Angela Heller - Antworten

    Tja lieber Daniel, meine Weichen für den Laufsport wurden schon als ich 10 Jahre alt war, also vor 37 Jahren gestellt. Ich startete zwar mit Triathlon und übte diesen Sport bis ich 30 war aus. Heute ist es «nur noch das Laufen». Das Laufen war aber schon immer meine liebste Disziplin.

    Beim Laufen fühle ich mich frei, es löst bei mir, auch wenn die Aussentemperatur 30 Grad beträgt, Hühnerhaut aus, es macht mich glücklich und unbeschwert, mein Kopf ist frei von irgend welchem Ballast, ich bin geerdet. Nur ich und meine Kräfte ermöglichen mir die Fortbewegung, ich bin EINS mit mir und meiner Kraft.

    Ich liebe die Phase in der ich abdrifte (Tunnelblick) und ich bloss noch mein Rhythmus, mein Atem und der Takt meiner Schritte wahrnehme. In dieser Phase kann ich (gefühlt) unendlich laufen, ich bin überall und doch nirgends.

    Das Gefühl das ich beim Laufen verspüre ist kaum in Worte zu fassen…

    • Daniel Bär - Antworten

      Hallo Angela, lieben Dank für Deinen ausführlichen Kommentar. Ich kann alles nur so bestätigen… weiterhin ganz viel Spaß bei Deinen Läufen!

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