Was uns Läufern die Coronakrise lehren kann

Bedeutet Corona das Ende der großen Laufevents?

Paris Semi Mutuelle – abgesagt / verlegt

Erst Paris, dann folgte Hamburg, dann die Badische Meile. Mit weitere Absagen ist vermutlich noch zu rechnen. Der Halbmarathon in Paris, der eigentlich am 01. März stattfinden sollte, wurde wenige Stunden vor dem Start abgesagt und später auf den 06. September verlegt.
Großveranstaltungen sind – jedenfalls hierzulande – bis zum 31. August verboten. Kaum vorstellbar, dass sechs Tage später 40.000 Läuferinnen und Läufer durch die Strassen der französischen Hauptstadt joggen werden.

Hamburg HASPA – abgesagt / verlegt

Der Hamburgmarathon wurde – wenigstens rechtzeitig – abgesagt und vom 29. April auf den 13. September verlegt.  Wer die Entwicklung aufmerksam verfolgt hat, musste schon Anfang März damit rechnen, dass das wohl nichts mehr werden wird mit Hamburg. Warum einige wenige mit einem Aufschrei der Empörung darauf reagiert haben, ist mir bis heute schleierhaft. Trotz einiger Rückschläge war ich hier gut im Training und freute mich sehr auf einen der schönsten Marathonveranstaltungen in der Elbstadt. Es sollte mein erster Marathon werden. Deshalb war ich natürlich schon enttäuscht.

Karlsruhe – Badische Meile – abgesagt / verlegt

Konsequenterweise wurde auch das für 03. Mai angesetzte Laufevent „Badische Meile“  gecancelt und  – erst mal – auf den 11. Oktober verschoben. Mit einer Streckenlänge von außergewöhnlichen 8,88889 km – die „Badische Meile“ eben – war das einer der kürzeren Läufe, für die ich gemeldet war.

Altstadtlauf Ettlingen 2019

Karlsruhe – Baden Halbmarathon

Im offiziellen Laufkalender steht noch immer der Baden Halbmarathon, der regulär am 20. September 2020 in Karlsruhe stattfinden soll. Noch bin ich nicht angemeldet, da keiner weiß, wie sich die Lage weiter entwickelt. Sobald hier eine endgültige Entscheidung gefallen ist, werde ich mich sofort anmelden. Einen solchen Lauf in meiner Heimatstadt kann ich unmöglich ausfallen lassen.

Läufe pauschal mal in den Herbst verlegt

Aber abgesagte Laufveranstaltungen aus dem Frühjahr einfach mal ins Spätjahr zu verschieben, dürfte manchen Laufbegeisterten nicht nur an die Grenzen der körperlichen Belastbarkeit bringen, sondern auch den persönlichen Trainingsplan nebst Terminplanung gehörig durcheinander bringen. Mal abgesehen von den finanziellen Schäden, die schon jetzt für viele entstanden sind.

3 Sonntage, 3 Wettbewerbe

Würde ich alle neuen, alternativen Lauftermine wahrnehmen wollen, wären das am 06. September ein Halbmarathon (Paris), eine Woche später ein Marathon (Hamburg) und am 20. September ein weiterer Halbmarathon (Karlsruhe). Irgendwie überfordert mich das jetzt, auch organisatorisch. Ich gehe mittlerweile fest davon aus, dass keiner der Läufe stattfinden wird. Allerdings halte ich die „Friss-oder-Stirb-Methode“  einiger Veranstalter für äußerst fragwürdig. Ich denke, vielen von Euch wird es in den vergangenen Wochen und Monaten genauso oder ähnlich ergangen sein. Meine persönliche Geschichte steht also nur beispielhaft für Eure Geschichten, die Ihr erzählen könntet.

Stornierungen schwer gemacht

Ganz fies war die Absage des Paris „Semi Mutuelle“ wenige Stunden vor dem Start. Viele waren schon in die Hauptstadt gereist und in ihren Hotels eingecheckt, als die meisten vom Aus über die sozialen Netzwerke erfuhren. Wegen einer Grippe hatte ich persönlich schon ein paar Tage vorher alles stornieren müssen, was sich am Ende fast schon ein bisschen wie „Glück“ anfühlte. Dennoch ist es aus meiner Sicht ein Unding, tausende von Läuferinnen und Läufern nicht nur auf den Reise- und Hotelkosten sitzen bleiben zu lassen, sondern die Rückzahlung der Startgebühren einfach damit zu umgehen, die Veranstaltung in den Herbst zu verschieben. Dabei wird es immer unwahrscheinlicher, dass die Veranstaltung überhaupt stattfinden wird. Man darf gespannt sein, was dann passiert.

Geld zurück aus Hamburg. Top Service!

Die Hamburger Veranstalter haben anstandslos das Startgeld zurückerstattet. Ohne Diskussion. Mehr noch: wer am alternativen Termin am 13. September startet, erhält für den HASPA 2021 zusätzlich einen satten Rabatt auf die Startgebühr. Das nenne ich fair. Da sich meine Wettkämpfe im September stapeln, habe ich mich entschieden, den HASPA 2020 zu stornieren und  – je nach Lage – mich für 2021 neu anzumelden. Dann eben zu den regulären Konditionen.

Aus für große Laufveranstaltungen?

Badische Meile 2019

Bedeutet Corona jetzt das Aus für die großen Laufveranstaltungen? Ja. Solange es Corona gibt und kein Impfstoff verfügbar ist, sind derartige Großveranstaltungen ein unkalkulierbares Risiko für die Verbreitung des Virus. Wo tausende Menschen dicht gedrängt vor der Startlinie stehen und darauf warten, endlich auf die Strecke zu gehen, wo gegenseitige Glückwünsche in Form von Abklatschen, Umarmungen und Küsschengeben einfach dazu gehören, ist es ein Ding der Unmöglichkeit, Abstands- und Hygieneregeln einzuhalten. Weder vor dem Start und schon gar nicht im Ziel. Und mal ehrlich, ich wollte das auch gar nicht. Da verzichte ich lieber und bleib im heimischen Wald.

Was wird fehlen?

Die Pandemie ist eine Zäsur. Sie erfordert ein Umdenken in vielen Lebensbereichen. Auf unsere geliebten Laufveranstaltungen werden wir wohl für eine Weile verzichten müssen. Ja, das tut weh. Dabei geht es weniger um den Sport an sich, denn Laufen können wir auch vor unserer eigenen Haustüre, jeder für sich alleine. Nein. Es geht vielmehr um die Begegnung mit den Gleichgesinnten, mit denen man seine Laufleidenschaft teilt. Es geht um das „Abfeiern“ hinterher und  das verdiente gemeinsame Bierchen im Anschluss. Nicht zu vergessen die Finisherfotos, die auf keinen Fall fehlen dürfen und den gemeinsamen Erfolg dokumentieren. Das wird fehlen.

Und wenn Corona vorbei ist?

Die Gefahr einer erneuten Pandemie ist mit dem Ende von Corona eher größer als geringer geworden. Und mit einem anderen, zukünftigen Virus werden wir eventuell weniger Glück haben als mit Corona. Zu tief hat der Mensch in die Natur eingegriffen und sich die Erde „untertan“ gemacht, auch wenn das im biblischen Sinne mit Sicherheit anders gemeint war. Es stellt sich daher weniger die Frage, ob es zukünftig wieder den New York- oder Bostonmarathon geben wird, als vielmehr die, ob wir für unseren Sport um den halben Planeten reisen müssen und damit aktiv an der Zerstörung unserer Lebensgrundlage mitwirken wollen. Auch wenn es toll ist, einmal an einem Lauf in Hamburg, Paris oder New York teilzunehmen, wird sich zukünftig jeder fragen müssen, ob er teilhaben will an einem System mit teilweise hedonistischen Auswüchsen, dessen Spassgesellschaft sich nur am eigenen Lustgewinn orientiert und Veranstaltern viel Geld in die Kassen spült. Auch wenn um die halbe Welt geflogen wird, weil es Spaß macht und viele es sich eben finanziell leisten können, zeigt es doch, dass nicht alles, was gerade machbar ist, auch zukünftig machbar sein wird. Und das hat dann nichts mehr mit Geld zu tun. Vielleicht fühlen sich Einige damit zu Unrecht an den Pranger gestellt, doch in Teilen kann ich das in den sozialen Netzwerken durchaus so feststellen.

Der Optimismus bleibt

Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt, und mein Optimismus ist ungebrochen. Ja, wir werden wieder große Laufevents haben und gemeinsam „abfeiern“ können. Darauf freue ich mich auch schon. Es geht ja nicht darum, die großen Laufveranstaltungen zu verteufeln, sondern darum, dass wir in Allem wieder ein Maß finden müssen, das weniger vom Höher, Schneller, Weiter bestimmt wird, als vielmehr vom Respekt gegenüber unseren Mitmenschen und der Natur getragen sein sollte. Das gilt nicht nur für den Laufsport, vielleicht noch nicht mal im besonderen Maße, sondern für alles, was mittlerweile überdimensioniert veranstaltet wird und bei dem nur „Cash“ zählt.  Dann wird auch das Risiko abnehmen, einer weiteren Pandemie zum Opfer zu fallen.


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2 Kommentare zu “Was uns Läufern die Coronakrise lehren kann”

  1. In dem Absatz „Und wenn Corona vorbei ist?“ hast du wahrscheinlich leider mit deinen Ausführungen den Nagel auf den Kopf getroffen. So bitter es auch sein mag. In vielen Köpfen scheint das noch nicht angekommen zu sein.

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