DAS EXTRA-LOCH IM LAUFSCHUH: RUNNING GAG ODER GENIAL?

Das Extra-Loch




Ihr wisst ja: Kürzlich habe ich mir neue Laufschuhe zugelegt. Meine alten (aber guten) asics habe ich tapfer über 750 Kilometer getragen, ohne jemals dieses Extra-Loch in den Laufschuhen wahrgenommen, geschweige denn, es gewürdigt zu haben. Als ich an meinen neuen Brooks diese zwei komischen Löcher bemerkte, dachte ich: „Ganz klarer Produktionsfehler! Da hat die Lochmaschine wohl daneben gegriffen, als sie die Schnürsenkellöcher stanzen musste.“ Außerdem passten sie optisch nicht an diese Position. Dann kam ich aber doch ins Grübeln: Pro Schuh zwei falsche Löcher? An exakt der gleichen Stelle?  So viel Zufall kann es nicht geben. Und tatsächlich: Kein Fehler sondern  pure Absicht.  Aber wozu? Und welchen Sinn sollte das haben?

Fast wie im Kindergarten beim ersten Mal Schleife binden

Im Netz wurde ich schnell fündig. Welche Funktion diese Löcher haben, wie sie benutzt werden und wie meine ersten Laufeindrücke damit waren, das habe ich hier (hoffentlich verständlich) zusammengefasst. Zwischendurch fühlte ich mich in meine Kindergartenzeit zurückversetzt. Damals, als wir die ersten Schuhschleifen banden. Was wir früher mühsam lernen mussten, ist heute gängige Routine. Wir denken nicht mehr darüber nach. So fahren wir wie selbstverständlich Fahrrad und Auto oder binden uns Schuhe und Krawatten. Die Schleifentechnik über die zwei Extra-Löcher ist anfänglich etwas ungewohnt, wird aber im Nu zur Routine.   

In 5 Schritten zum Erfolg

  • Schritt 1: Ihr nehmt die Enden der Schnürsenkel und führt sie jeweils von außen durch die Extra-Löcher oberhalb der normalen Lochreihe. Dabei entsteht an den Seiten eine Schlaufe.
  • Schritt 2: Zieht jetzt etwas an den Enden, so dass die Schlaufen an den Seiten kleiner werden.
  • Schritt 3: Die Enden der Schnürsenkel führt Ihr jetzt von oben in die gegenüberliegende Schlaufe und zieht die Schlaufen damit fest.
  • Schritt 4: Nehmt jetzt die beiden Enden in Eure Hände und bindet den Schuh wie sonst auch. Zieht vorher nochmal kräftig daran, wenn Ihr das Gefühl habt, dass die Schnürsenkel zu kurz sind.  Manchmal hakt es noch an der einen oder anderen Stelle und ein Stück ist vielleicht in den Schuh gerutscht. 
  • Schritt 5: Lauft los!

 

Das Fersenschloss

Bei dieser Schnürmethode spricht man von einem Fersenschloss. Durch den erhöhten Druck wird die Ferse stabilisiert. Der Fuß kann im Schuh nicht mehr hin und her rutschen. Das wiederum soll gegen Blasen helfen und verhindern, dass die Zehen vorne am Schuh anstoßen. In der Tat saß der Schuh jetzt deutlich fester. Beim Laufen hatte ich das Gefühl, als bildete mein Fuss mit dem Schuh eine festere Einheit als sonst. Auch wenn ich von Blasen oder blauen Zehennägeln bislang verschont gewesen bin, war ich erstaunt, welche Auswirkung diese Schnürmethode auf den Sitz des Schuhs hat. 

Fazit

Meine Pace wurde dadurch nicht besser. Wunder in puncto Geschwindigkeit solltet Ihr nicht erwarten. Und ein schlecht sitzender Laufschuh wird dadurch nicht bequemer. Die Wirkung liegt in der Optimierung des eigenen Laufgefühls. Das ist individuell sehr verschieden. Beim nächsten Mal werde ich deswegen wieder mit meiner „normalen“ Schnürung laufen. Dann will ich darauf achten, ob ich rückblickend einen Nutzen erkennen kann. Was mir selbst vielleicht nichts oder nur wenig bringt, heißt noch lange nicht, dass Ihr nicht davon profitieren könnt. Probiert es aus. Der Unterschied ist spürbar, ob es Euch etwas bringt, müsst Ihr am Ende selbst entscheiden.


Fotos: © Daniel Bär


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