Neue Laufschuhe – woran ihr merken könnt, dass ihr bald welche braucht

Als Laufanfänger zwickt es überall




Gute Laufschuhe kosten richtig Geld. Nicht zuletzt deshalb habe ich mir überlegt, ob es wirklich Not tut, mir jetzt schon ein neues Paar zuzulegen. Ok. Auch wenn meine Bisherigen jetzt fast 6 Jahre alt sind – wovon sie gut 5 Jahre wertvollen Platz im Schuhschrank belegt haben – konnte ich mir kaum vorstellen, dass es nach einem Jahr schon so weit sein sollte. Bin ich doch vor drei Wochen noch erstmals und ohne Probleme über die Halbmarathondistanz gelaufen. Klar. Als ich im August vergangenen Jahres mit dem Laufen angefangen habe, wusste ich, dass mein Körper sich erst an die neue Belastung gewöhnen muss. Da zwickte es praktisch überall: am Schienbein, an der Achillessehne, an den Knien, am Oberschenkel. Ja, selbst die Hüften mussten mit den ungewohnten Laufbewegungen klar kommen. Mit den anwachsenden Kilometern ließen auch die Anfängerschmerzen nach. Das Lauffieber begann, sich meiner mehr und mehr zu bemächtigen. Über meine Schuhe (ASICS GEL-KAYANO 23) machte ich mir lange keine Gedanken. Es lief. Als ich erstmals bei 21,1 km angekommen war, spürte ich zwar meine Knie, doch das konnte genauso gut auch von der körperlichen Mehrbelastung kommen. Schließlich lag meine durchschnittliche Laufstrecke bei 2 x wöchentlich 10 km.

Die Beine plötzlich schwer wie Blei

Die nächsten Läufe absolvierte ich mit der üblichen Strecke in der üblichen Zeit. Allerdings machten sich ab Kilometer sechs Beschwerden in den Knien bemerkbar. Ich schob es auf die steigende Anzahl der längeren Läufe, die zwischenzeitlich auch mal an die 12 oder 15 km heranreichten. Mit ein paar Dehnübungen im Anschluss verschwanden die Probleme wieder.  Im vierten Lauf nach der erreichten HM-Distanz (bzw. 40 km weiter) hatte ich das Gefühl, als seien meine Beine schwer wie Blei. Auch die einzelnen Schritte prallten jetzt härter auf den Boden als sonst. Ich hatte das Gefühl, die Erschütterung beim Aufprall des Fusses auf den Boden setzt sich ungedämpft bis ins Kniegelenk fort, was den Lauf insgesamt unangenehm werden ließ. Nachdem ich die Strecke absolviert hatte, schmerzten die Knie mehr als sonst. Ich schob es einfach darauf, dass ich wohl einen schlechten Tag hatte. Es kommt ja immer wieder vor, dass es an einigen Tagen nicht so rund läuft wie an anderen. 

Im nächsten Frühjahr wohl neue Laufschuhe

Obwohl ich den nachfolgenden Lauf wieder mit einer ordentliche Pace abgeschlossen hatte, wunderte ich mich doch, dass die Kniegelenke jetzt wieder mehr schmerzten als sonst. Hinzu kam ein unangenehmes Ziehen im vorderen Schienbein, wie ich es von meinen Anfängen als Läufer kannte. So langsam machte ich mir doch Gedanken, ob etwas mit den Schuhen nicht in Ordnung sein könnte. Auch wenn ich mit Ergebnis des Laufs ganz zufrieden sein konnte, merkte ich, dass der Energieaufwand größer war als sonst. Erstmals setzte ich mich mit dem Thema „Laufschuhe“ auseinander und dachte mir, dass ich demnächst – also frühestens im kommenden Frühjahr – wohl neue Laufschuhe brauchen würde. Bis zum Lauf am Hockenheimring in einer Woche wollte ich eine kleine Laufpause einlegen, um dann mit voller Energie durchzustarten. Insgeheim machte ich mir aber mehr Sorgen, ob der andauernde  -zwar leichte aber ungewohnte – Schmerz im Knie wohl wieder nachlassen würde. Ursache Schuhe? Den Gedanken verdrängte ich schnell wieder.

Die Pace immer schlechter und noch mehr Schmerzen

Nach zwei Tagen Pause ging es schon wieder etwas besser mit dem Knie, auch wenn ich das Gefühl hatte, dass ich noch nicht zu 100 Prozent regeneriert bin. Also doch keine einwöchige Pause. Ich wollte unbedingt los und schnürte am Sonntagmorgen meine Laufschuhe. Das Ergebnis war niederschmetternd. Es war kalt war und ich musste mich ab Kilometer 5 durch Starkregen und Wind kämpfen. Dennoch: meine Pace war – für meine Verhältnisse – dermaßen schlecht und meine Knie und die Schienbeine taten so weh, dass ich mich entschloss, mit diesen Schuhen nicht mehr am Hockenheimringlauf  teilzunehmen. Bei näherer Beschäftigung mit meinen Schuhen, habe ich darüber hinaus festgestellt, dass die Treter bereits 750 km runter hatten. Runtastic hatte mich schon vor Wochen daran erinnert, die alten Dinger demnächst auszumustern.  Die Botschaft hatte ich wohl vernommen, dann aber gekonnt ignoriert und wie eine Junkmail einfach weggedrückt. Doch es musste jetzt etwas passieren, auch wenn ich aufgrund der anstehenden Feiertage nur ein kleines Zeitfenster hatte, um mich um neue Laufschuhe zu kümmern. Äußerlich war den Schuhen kaum etwas anzusehen.

Im Fachgeschäft mit 100 Jahren Lauferfahrung, einem Marathoni und einer handvoll verirrter Asiaten

Glücklicherweise liegt fußläufig von meinem Arbeitsplatz ein Fachgeschäft für Laufschuhe. Das Inhaberehepaar ist zwar nicht mehr taufrisch aber zusammen vereint sie bald 100 Jahre Lauferfahrung mit zahlreichen Streckenrekorden und  vielen Meisterschaftstiteln in Süddeutschland und besonders im  Badnerland. Meine ollen Lauftreter habe ich zur Begutachtung gleich mitgebracht und bin dort nach Feierabend aufgeschlagen. In dem etwas in die Jahre gekommenen Laden war die Inhaberin gerade intensiv mit einem Marathoni beschäftigt, der am Vortag den Frankfurt-Marathon bestritten hatte. Da kam ich mir als Normalo-Freizeit-Läufer mit Halbmarathonambitionen zunächst etwas fehl am Platze vor. So stand ich ziemlich unbeachtet wie ein Statist inmitten der ganzen Szenerie. Zurück katapultiert in die 70er Jahre. Der sitzende Marathonmann war umringt von vielen bunten Laufschuhen und im regen Austausch mit der Chefin – mit Fachausdrücken nur so um sich werfend. Ihr Ehemann kümmerte sich derweil um eine handvoll verirrter Asiaten und war bemüht, sich irgendwie mit ihnen zu verständigen. Ich nahm es den Beiden nicht krumm, dass sie dem agilen Marathonläufer mehr Aufmerksamkeit widmeten als mir, der in Anzughose mit ein paar ausgeleierten Turnschuhen hilflos im Laden herumstand. Dann ging es schließlich doch zügig voran. Der von Hüftbeschwerden geplagte Chef des Hauses warf einen prüfenden Blick auf meine Schuhe und attestierte mir kühl, dass die „total durch“ sind. Er schaute sich Marke (ASICS) und Größe (9) an und ging etwas schwerfällig ins Lager, um mir zwei Paar Schuhe zum Anprobieren zu holen. Auf meine Nachfrage, ob ich den Defekt optisch irgendwie selbst hätte erkennen können, antwortete er mir, dass die Sohle im Vorfußbereich total hart ist. Die Dämpfung war schlichtweg hin.

„Gute Schuhe!“ Wer mag 100 Jahren Lauferfahrung da widersprechen?

Um es kurz zu machen: ich probierte einen ASICS und einen Brooks-Laufschuh. Vor dem Laden durfte ich auch ein paar Lauftests machen. Am Ende entschied ich mich für den Brooks, obwohl der kanariengelb schreiende ASICS mehr nach meinem modischen Geschmack war. Aber ginge es beim Kauf von Laufschuhen um modische Gesichtspunkten, dürfte man niemals nie welche tragen. Die Ladenchefin bestärkte mich in meiner Entscheidung: „Gute Schuhe!“ Hätte ich den ASICS genommen, hätte sie wahrscheinlich auch „Gute Schuhe!“ gesagt. „Sie müssen sich darin wohlfühlen, dann sind es gute Schuhe.“ Und das tat ich. Wer mag der geballten Kompetenz von 100 Jahren Lauferfahrungen da widersprechen?

Der Härtetest





An jedem 1. November findet auf dem Hockenheimring der gleichnamige Lauf statt. Veranstalter ist die Ausdauer-Sport-Gemeinschaft Triathlon Hockenheim 1986 e. V., kurz: ASG Tria. Dieses Mal jährte sich das Ereignis zum 20. Mal. Mit meinen nagelneuen, blau leuchtenden Brooks Adrenaline GTS 17, was mehr so nach getuntem VW Polo klingt, wartete ich auf den Startschuß zu  den ersten 10 Kilometern in meinen neuen Schuhen. Die kommende Stunde glich einer Offenbarung in Sachen Laufgefühl. Mit meinen Sieben-Meilen-Stiefeln schwebte ich gleichsam über den Asphalt, auf dem sich sonst die Formel 1 – Boliden ihre Hartgummireifen runterribbeln. Mit dem Ende meiner ersten Runde (5 km) jubelten mir bereits die umstehenden Zuschauer zu. Ich fühlte mich geschmeichelt. Bis ich merkte, dass sie nicht mir, sondern dem Spitzenläufer applaudierten, der just in dem Moment an mir vorbei zog und gazellengleich die 10 km Ziellinie überschritt. Nach 30 Minuten und 37,3 Sekunden. Ok, dachte ich, der hat´s schon hinter sich. Ich darf noch mal ´ne Runde. 

Im Ziel

Keine 26 Minuten später befand ich mich ebenfalls auf der Zielgeraden. Es standen inzwischen weniger Zuschauer beim Zieleinlauf, und auch der Jubel klang verhaltener. Die Uhr zählte auf 57 Minuten zu. Da wusste ich, dass meine persönliche Bestzeit in greifbarer Nähe ist. Unter 57 Minuten habe ich die 10 km noch nie geschafft. Also nahm ich meine Beine samt dranhängender Brooks in die Hand und sprintete nach 56 Minuten und 49,2 Sekunden übers Ziel direkt in meinen persönlichen Läuferhimmel. Außer mir selbst hat das in diesem Moment zwar niemanden wirklich interessiert, doch ich war rundum zufrieden und glücklich. Knieprobleme? Keine Spur. Schienbeinziehen? Ja, die ersten zwei, drei Kilometer spürte ich ein leichtes Ziehen. Es verschwand aber während des Laufs und blieb danach auch verschwunden.

Fazit

Es gibt keine generelle Regel, woran zu erkennen wäre, dass neue Laufschuhe fällig werden. Individuelle Besonderheiten wie Gewicht, Laufstil, Laufkilometer oder eventuelle Erkrankungen spielen eine zu große Rolle, als dass ihr daraus einen allgemein gültigen Leitsatz aufstellen könntet. Schienbeinziehen und/oder Kniegelenkbeschwerden können typische Anzeichen sein, dass eure Schuhe ihrem Lebensende entgegen gehen, müssen es aber nicht.  Wenn die Sohlen schon viele Kilometer runter haben (ab 500 km), ist es wahrscheinlicher, dass ihr neue Laufschuhe braucht. Besonders dann, wenn gleichzeitig ungewöhnliche körperliche Beschwerden auftreten. Dann solltet ihr ein Fachgeschäft für Laufschuhe aufzusuchen. Bringt am besten eure „Alten“ zur Begutachtung mit. Aber auch äußerlich intakte Schuhe können hinüber sein. Hört einfach auf Euren Körper und befragt bei Schmerzen notfalls einen Arzt, bevor ihr euch schlimmer verletzt und eine Zeit lang gar nicht mehr laufen könnt. 

750 km Laufleistung, schwerfälliges Laufen und ungewöhnliche Probleme mit den Knien waren für mich Anlass genug, die Ursache in den Laufschuhen zu suchen. Und egal für welchen neuen Schuh ihr euch am Schluss entscheidet: ihr müsst euch (auch) darin wohl fühlen. „Dann sind es gute Schuhe!“


Fotos: © Daniel Bär / Beitragsbild: lizenzfrei von www.pexels.com



3 comments

  1. Jens - Antworten

    Wenn man etwas mehr läuft, sollte man unbedingt mehrere Paare haben und die abwechselnd tragen! Abwechslung ist nicht nur bei Strecke und Tempo gefragt. Mir hat es auch sehr geholfen zu Neutralschuhen zu wechseln, statt der anfangs imFachgeschäft empfohlenen pronationsgestützen Schuhe mit denen ich so ab 50 km die Woche Knieprobleme bekam.

  2. Frank - Antworten

    Ich würde mir an deiner Stelle auch mal Gedanken zum Laufstil machen! Klingt sehr nach Fersenlauf.

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