Laufmotivation – sollte sie von innen oder von außen kommen?

Was motiviert?




Seit ich vor einem Jahr mit dem Laufen begonnen habe, hinterfrage ich regelmäßig meine Motivation. Was bringt mich dazu, jedes Mal neu meine Schuhe zu schnüren und los zu laufen? Die Tatsache, dass mir mein Hausarzt das Ausdauertraining angeraten hat, kann nicht die alleinige Motivation gewesen sein. Das haben andere Ärzte mir auch schon empfohlen. Meinen Hintern habe ich deswegen trotzdem nicht von der Couch bekommen. Es musste also etwas anderes sein.

Intrinsische Motivation

Wikipedia beschreibt die intrinsische Motivation so: Die intrinsische Motivation (lateinisch intrinsecus „hineinwärts“ oder „inwendig“) ist eine der Quellen der Motivation. Sie beschreibt im Gegensatz zu der extrinsischen Motivation die Motivation, eine bestimmte Lernhandlung auszuführen, die der individuelle Mensch selbst in irgendeiner Weise als interessant oder ermutigend betrachtet.

Nach meinen CheckUp Anfang 2017 habe ich das Rauchen endgültig aufgegeben. Irgendwie passte das auch nicht zum Laufen, mit dem ich im August angefangen hatte. Insofern war zumindest das intrinsisch motiviert. Dass ich mich in der Folge sofort besser fühlte und auch seither einen Haufen Geld sparte, war in der Vergangenheit kein Anreiz gewesen,  mich von der Kippe zu verabschieden. Nur Menschen, die noch nie geraucht haben, verwenden solche Argumente, um Raucher zu „motivieren“, mit dem Qualmen aufzuhören. Ich glaube, das funktioniert in den wenigsten Fällen. 

Der Antrieb zum Laufen

Es war ein innerer Antrieb, mit dem Laufen zu beginnen. Gleichzeitig sagte ich mir, dass es gesund sei, dass ich mich besser fühlen würde, dass ich länger fit bliebe und überhaupt ewig jung bleiben würde. Auf den ersten Kilometer reicht das meist. Es reicht auch noch für die ersten zwei oder drei Läufe.  Dann geschah etwas Merkwürdiges: Ich merkte ziemlich schnell, dass meine Pumpe das ganz gut mitmachte, was mich dazu antrieb, einfach schneller zu laufen. Doch ich hatte die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Nämlich den, der meinen Körper auch über die Strecke bringen sollte. Meine Beine. Die gewöhnten sich nicht so schnell an die neue Belastung. So kam es am Anfang oft vor, dass ich kreislaufmässig noch ganz gut im Saft stand, aber Sehnen und Gelenke signalisierten, dass es für heute genug sei. Immerhin spürte ich nach und nach eine Veränderung zum Positiven, was mich innerlich antrieb, dabei zu bleiben. Auch wenn ich in vielen Dingen ungeduldig bin, schnelle Erfolge sehen will und die Dinge oft übermotiviert angehe – mit dem Ergebnis, dass ich bei Nichterfolg schnell wieder das Interesse verliere – keimte in mir die Hoffnung, dass sich das Ding mit dem Laufen entwickeln könnte. Langsam zwar, aber spürbar und stetig. Jetzt stellte ich mir die Frage, was mich extrinsisch – also von außen kommend – motivieren könnte, damit mir das Laufen nicht wieder langweilig wird – und mir wird schnell langeilig, wenn ich nicht ständig vor wechselnde Aufgaben oder Herausforderungen gestellt werde. Intrinsisch erhalten bleibt auf jeden Fall das wohlige entspannte Gefühl NACH dem Laufen und der Dusche. Meist fühle ich mich energiegeladener als vor dem Lauf, obwohl ich gerade 10 km gerissen habe. Die Aussicht darauf ist meist Motivation genug, um zu starten.

Die Farben müssen knallen

Die Klamotte

Ein Spleen von mir ist es geworden, in möglichst knalligen Farben unterwegs zu sein. Ob leuchtendes Orange oder schreiendes Neongelb, Hauptsache schrill. Besonders im Winter bringt das die nötige Farbe in meine Laufeinheiten. Natürlich trage ich  dazu die farblich passenden Socken. Selbst an meiner AppleWatch wechsle ich das Armband zum passenden Outfit. Total crazy, oder? Ist das jetzt noch intrinsische oder extrinsische Motivation? ?

Technisches Zubehör

Musik

An der Stelle gehen die Meinungen weit auseinander. Wie ich an anderer Stelle bereits geschrieben habe, kann ich ohne Musik nicht laufen. Anderen reicht der zwitschernde frühe Vogel und fängt womöglich noch den Wurm oder es genügt das Rauschen der Bäume. Ich brauche Musik. Die hilft mir, meinen optimalen Rhythmus zu finden. Meine Atemgeräusche bringen mich beim Laufen nur durcheinander. Manche Laufjunkies mögen das Musikhören verteufeln. Ich stehe dazu, und es motiviert mich (extrinsisch), weil ich eben auch gerne Musik höre, mich darauf freue und mich gut konzentrieren kann. 

Pulsuhr 

Auch hier scheiden sich die Geister in der Verwendung von Pulsuhren. Am Anfang habe ich sehr darauf geachtet und mir jeden Kilometer meinen Puls ansagen lassen. Ich fand das total wichtig, und es hat mir sehr geholfen, ein Gefühl dafür zu bekommen, wie sich der Herzschlag in bestimmten Belastungssituationen verändert. Mittlerweile achte ich kaum noch darauf, allein schon deshalb, weil ich mittlerweile auch ohne Ansage weiß, wie hoch mein Puls in etwa ist. Ich nutze die Pulsuhr nur noch zur generellen und langfristigen Kontrolle.

GPS-Tracker / Uhren

Unglaublich wichtig. Ohne die würde ich nie aus dem Haus gehen. Vielleicht verändert sich das auch mit der Zeit. Aber ohne meine Apple Watch in Verbindung mit Runtastic oder Strava starte ich keinen Lauf. Wenn unterwegs die Technik versagt, kriege ich Anfälle. Immerhin habe ich deswegen noch nie einen Lauf abgebrochen. Das spricht doch jetzt für die innere Motivation, oder?
Dennoch: Die Dokumentation der Ergebnisse ist für mich ein großer Motivator, auch wenn viele das ganz anders sehen. Mit der Aufzeichnung von Strecke, Geschwindigkeit und Laufdauer kann ich langfristig meine Entwicklung beobachten. Dabei strebe ich keine Marathonstrecken oder Geschwindigkeitsrekorde an. Ich möchte einfach das Gefühl haben, meine Ergebnisse in irgendeiner Form festzuhalten. Wenn ich das nicht hätte, würde ich wahrscheinlich nicht mehr laufen. Klingt für den einen oder anderen von Euch vielleicht komisch, aber so ist es. Andere können sich z.B. nicht vorstellen, ohne ihre Kniestrümpfe zu laufen. Das klingt für mich total komisch. 

Fazit 

Das Drumherum mit den schrillen Klamotten und der der technische „Spielkram“ unterstützen meine intrinsische Motivation sehr stark. Ich liebe das Laufen, weil ich jedes Mal wieder Neues ausprobieren und aufzeichnen kann. Fahrtspiel, Intervall,  langsames Laufen, schnelles Laufen, Steigungen und Gefälle überwinden, neue Musik uvm. Und ich liebe den ganzen technischen Kram, weil ich dabei sogar Laufen kann. Das klingt vielleicht total bescheuert, hilft mir aber, dran zu bleiben und motiviert mich immer wieder, auf´s Neue die Laufschuhe anzuschnallen. Wie ist das bei Euch? Was motiviert Euch zum Laufen? 

Ich freue mich über Eure Kommentare und Meinungen!


Fotos: www.pexels.com (lizenzfrei), (c) Daniel Bär

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