Reisebericht Gardasee: Limone sul Garda – Hotel Florida*** (Mai 2016)

Nur WLAN lässt unser Kinder überleben

Heute sitzen wir in der Lobby. Draußen regnet es Bindfäden. Heute ist Donnerstag, und Plan war es, mit der Seilbahn auf den Monte Baldo zu fahren. Von dort aus hat man einen fantastischen Blick über den Gardasee bis nach Limone. Doch das können wir getrost vergessen, und außerdem steckt die Kohle dafür seit gestern schon in den Klamotten, die wir in Limone geshoppt haben. Als wir am vergangenen Samstag hier ankamen, sind wir quasi durch die  Schweiz schwimmend ebenso bei Regen angekommen. Nicht dass man unseren Urlaub als verregnet bezeichnen wollte, am Sonntag und die anderen Tage hatten wir wirklich annehmbares sonniges Wetter. Nicht sommerlich warm, aber doch warm genug, um den Sprung in den gut gekühlten Pool zu wagen. Wir, das sind eine Familie mit zwei Kindern, 6 und 17. Die Kleine ist das Mädchen und für ihr Alter ziemlich groß gewachsen, doch insgesamt unauffällig normal. Der Große steckt im ersten Liebestaumel und ohne WLAN, welches es nur in der Lobby  gibt, so gut wie nicht lebensfähig. WLAN ist sozusagen der Sauerstoff, der seinen Aufenthalt an unserem Urlaubsort überleben lässt. So jedenfalls stellt sich das nach außen für uns dar.

HOTEL FLORIDA***

Das Hotel ist für unsere Begriffe mit „gutem Standard“ fast schon abschließend beschrieben. Im Bewertungsstil á la Holidaycheck möchte ich trotzdem einen kurzen (subjektiven) Überblick zu den Örtlichkeiten geben.

Lage

Am Hang oberhalb der Durchgangsstraße in einer ruhigen Seitenstraße liegt  die Anlage günstig zum Zentrum von Limone, das in 10 Gehminuten gut zu erreichen ist. Der hintere Teil ist umgeben von Olivenbäumen und Palmen und bietet den Hotelgästen viel Grün für’s Auge. Akustisch trägt das Zwitschern der Vogelwelt das Seine zur idealen Entspannung in der Natur bei.

Die teilweise negative Beurteilung der Lage in den Online-Bewertungsportalen können wir nicht nachvollziehen. Z.B. Entfernung zum Zentrum, Hanglage (steil), Nichts für Fussfaule… Vielleicht schreckt das jüngerer Urlauber oder Familien ab, hierher zukommen. Völlig zu Unrecht. Wenn man davon ausgeht, dass die Bewertungen meist von Gästen im Rentenalter (65+)verfasst wurden, dann lässt sich nur in diesem Zusammenhang ein realistischer Ansatz erkennen. Andernfalls ist der Fußweg für halbwegs normal-gesunde Menschen und kleine Kinder ohne Schwierigkeiten machbar. Es gibt ein paar Abkürzungen, die leicht zu erkennen sind.

Zimmer

Alle Zimmer haben einen Balkon. Unser Vierbettzimmer ist geräumig und das Bad groß genug, um kurzfristig alle Familienmitglieder dort zu stapeln. Dies geschieht vorzugsweise in den Morgenstunden, wenn  Alle zum selben Zeitpunkt Unaufschiebbares im Bad erledigen müssen. Dazu zählen Dinge wie Haare föhnen, Duschen, Zähneputzen, Handtuch holen, Toilette benutzen, Deo holen, der Mutter Suchaufträge nach verschollenen Kleidungsstücken erteilen, Handtuch zum Trocknen aufhängen usw.

Der Haartrockner reicht leistungsmäßig zum Trocknen eines Bürstenhaarschnitts, für längeres Haar sollte unbedingt der eigene Föhn eingepackt werden.

Lobby / Preise

Die Lobby ist großzügig gestaltet und bietet durch zwei große Bullaugen in der Wand einen guten Blick in das Unterwassergeschehen des Pools. Neben dem farblichen Akzent ist dieser Blickfang sicher ein architektonisches Highlight dieser Lobby, aber auch der Einzige. Eher muss man sich angesichts der Klarheit dieser Einsicht in den Pool gut überlegen, ob es der Bikini aus dem Sommerurlaub von vor 5 Jahren noch bringt oder die Badehose in diesem Jahr vielleicht nicht doch eine Nummer größer ausfallen sollte. Diverse Pärchenspiele im Pool dürften mit Sicherheit immer ihre interessierten Zuschauer  finden.

Ein installierter Beamer erfüllt sportinteressierten Zuschauern den Wunsch, aktuelle Fußballspiele live und in ansprechender Atmosphäre bei gutem Getränkeservice zu verfolgen. Heute Abend z.B. gibt es das Relegationshinspiel Frankfurt gegen Nürnberg ⚽️.

Die Getränkepreise bewegen sich im üblichen Rahmen eines Hotels: Cappuccino 2,00 € / großes Bier 4,00 € / Cola 2,70 € / Hugo 3,90 € (Stand: 19.05.2016)



Zielgruppe

Überraschenderweise fand das Hotel – jedenfalls zum Zeitpunkt unserer Reise – den größten Zuspruch bei der Generation 65+. Neben vereinzelten jungen Pärchen im Hotel bestand das Gros der Gäste aus Menschen jenseits des Alters von 60 Jahren und fast ausschließlich aus Deutschland. Eigentlich Schade, bietet das Hotel doch gerade für jüngere Urlauber und auch Familien durchaus Anreize für einen erholsamen Urlaub.

Ausstattung

Ausgestattet mit einem großzügigen Pool und einem Fitnessraum, der unserem Großen quasi exklusiv zur Verfügung stand, ist es uns schleierhaft, weshalb das Hotel so wenig junge Urlauber anzieht. Die Bewerbung des Fitnessraums fehlt gänzlich. Als Familienhotel hätte dieses Hotel durchaus Potential, können wir aber angesichts des offenbar mangelnden  Zuspruchs nicht als solches empfehlen.

Service

Der Service ist prompt und freundlich. Eine defekte Glühlampe im Bad wurde umgehend ausgewechselt, ohne ein weiteres Mal nachfragen zu müssen. Mehr muss ich dazu nicht sagen.

Freundlichkeit

Alle Angestellten im Hotel sind freundlich und zuvorkommend. Nichts Aufgesetztes aber auch nichts Nachlässiges in puncto Freundlichkeit ist zu bemängeln. Vom Empfangspersonal über die Küchenangestellten bis hin zu den Reinigungskräften war zurückhaltende Freundlichkeit vorherrschend. Alle Ansprechpartner aus Service und Küche sprechen gut deutsch.

Mahlzeiten

Wir haben Halbpension gebucht und sind mit der Menge und Qualität der Speisen gut zufrieden.

Frühstück: Die Auswahl ist ausreichend und angemessen. Das Angebot variiert nur leicht. Die Automatensäfte braucht man gar nicht erst zu probieren. Für unsere Begriffe ungenießbar. Wasser ist hier die beste Alternative. Der Kaffee ist zwar nicht der Hit am Morgen, aber  für Automatenkaffee annehmbar. Täglich gibt es es Wurst und Käse, Marmelade, verschiedene Brötchensorten sowie Kuchen und Süßgebäck. Empfehlenswert sind der Joghurt, die Müslivarianten (Cerealien) und das frische Obst. Alle zwei Tage sind gekochte Eier im Angebot, gestern gab es sogar Sekt zum Frühstück. Insgesamt sind wir zufrieden mit der Auswahl. Das Hotel gibt sich Mühe, Abwechslung zu schaffen. Es gibt hier bestimmt noch Luft nach oben. Frisches Gemüse (z.B. Paprika, Gurke, Tomate o.ä.) würde erheblich zur Aufwertung des Frühstücks beitragen.

Abendessen: Die Mahlzeiten sind ausgewogen und qualitativ sehr gut. Täglich lassen sich aus drei Gängen jeweils aus zwei Speisen eine auswählen. Aber auch hier gibt sich die Küche flexibel. Die Nudelgerichte sind ausgesprochen schmackhaft und uneingeschränkt zu empfehlen. Das zum Essen angebotene Salatbuffet lässt kaum Wünsche offen. Sofern man bei den Abendmahlzeiten von einem „Mangel“ sprechen kann, würden sich Speisen auf den Tellern sicherlich noch optisch aufwerten lassen. Die durchaus vorhandene Küchenkompetenz blitzte gestern beim sogenannten „Fantasy Dinner“ positiv auf. Insgesamt gibt es hier nichts zu bemängeln. Wer das „Haar in der Suppe“ sucht, wird es bestimmt finden – wir wollen aber nicht vergessen, dass wir in einem „normalen“ Mittelklassehotel abgestiegen sind und nicht im mondänen Berliner Hotel „Adlon“

Lohnenswert: Madonna della Corona

Ein Wallfahrtsort der besonderen Art ist die in Fels gebaute Kirche „Madonna della Corona“. Wer bereits den Kick auf der Fahrt sucht, wählt die Tour, die hinter Malcesine linksseitig östlich durch die Berge und durch zahlreiche Dörfer führt. Dass man hierbei auf abschüssiger Strecke gelegentlich von einigen fahrradverrückten Italienern überholt wird, sollte einen nicht sonderlich verwundern.

Gregorianische Klänge umhüllen uns auf dem Weg zur Kirche

In Spiazza angekommen, bietet sich als Ausgangspunkt der große Parkplatz am Ortsausgang an. Wahlweise besteht dann die Möglichkeit, langsam den Abstieg auf der kurvenreichen Wegstrecke einzuschlagen, oder den steileren aber schnelleren Weg über die Treppe zu wagen. Bereits auf dem Weg zur Kirche kann man die gregorianisch anmutenden Gesänge aus der Kirche hören, die mitten in der Natur eine gewisse mystische Grundstimmung vermitteln. Mit Eintritt auf das Areal der Kirche durch einen in Stein gehauenen kurzen Tunnel, ist man schnell gefangen von der erzkatholischen Atmosphäre, die im Innern der Beichtkapelle ihren skurrilen Höhepunkt erreicht.

Die „Heilige Treppe“

Dort nämlich befindet sich ein Nachbau der „Heiligen Treppe“ (Scala Sancta). Das Original befindet sich in Rom und soll angeblich aus dem Palast des Pontius Pilatus stammen, die Jesus während seines Prozesses betreten haben soll. In Erinnerung an die Leiden Jesu soll diese Treppe nur kniend betreten werden. Ein entsprechendes Bild ergibt sich beim Blick auf diese Treppe, die von einigen Gläubigen kniend besetzt ist, und die sich im Zeitlupentempo Stufe um Stufe nach oben beten. In der Kapelle, an die sich der Raum mit der Heiligen Treppe anschließt, bereiten einige Mönche  einen Beichtgottesdienst vor. Unter dem Eindruck der rituellen Geschehnisse und einem mehr und mehr anschwellenden „Mea Culpa“, begleitet von festen Faustschlägen der Mönche auf ihre eigen Brust, verlassen wir diesen Raum und nehmen die breite Treppe hinauf in die eigentliche Wallfahrtskirche. Im Innern steht neben dem Altarraum eine kleine Orgel, an der eine  junge Nonne aus dem fernöstlichen Raum unscheinbar und andächtig leise  kirchliche Choräle spielt. In der so durchdrungenen Atmosphäre betrachten wir die Reliquien des Altarraums, dessen Wände aus nackstem Felsstein bestehen, in den die Kirche einst hinein gebaut wurde. Durch die drei kunstvoll gestalteten Fenster in den Seitenwänden leuchtet das Tageslicht in kräftigen Blautönen. Nach einigen Minuten verlassen wir diesen eindrucksvollen Sakralbau und nehmen auf dem Rückweg zum Parkplatz dieses Mal die Treppen.

Malcesine

Die Rückfahrt führt uns durch Malcesine, ein Ort am Fuße des Monte Baldo, der oberhalb der Hauptstrasse den Startpunkt für die Fahrt mit der Seilbahn bildet, die von zahlreichern Wanderern, Mountainbikern und Paraglidern bevölkert wird. Die Sichtverhältnisse sind heute nicht gut genug, um auf den knapp 2.000 Meter hohen Berg zu fahren. Stattdessen orientieren wir uns in Richtung des Seeufers, zu dem uns der Weg durch die Altstadt mit seinen kleinen verwinkelten Gassen führt. Unterwegs machen wir Stopp an einem der zahllosen kleinen Pizzabuden und laben uns dort an einige Stücken Margaritha und Salamipizzen. Überhaupt lässt sich sagen, dass man mit den Erzeugnissen der hiesigen Pizzabäcker rund um den Lago di Garda wenig falsch machen kann. Um sicher zu gehen, dass unsere Kinder nicht am Essen herumnörgeln, landen wir fast immer bei der Pizza. Für Abwechslung können wir auch wieder zuhause sorgen.

Chillen am malerischen Markptplatz

Das Seeufer wird begrenzt von einem kleinen Markplatz mit Cafés und Restaurants. Die vor uns auf dem See vorüberziehenden Ausflugsschiffe, die ein paar hundert Meter weiter nördlich anlegen und von dort wieder starten, schieben eine große Bugwelle vor sich her. Die breitet sich immer weiter aus und klatscht schließlich gegen die Ufermauer. Dort zerbirst sie in in der Sonne und löst sich in tausendfach funkelnden  Wassertröpfchen auf. Von Welle zu Welle schwächt sich dieser Wasserspiel ab,  bis das nächste Boot die nächsten Wellen bringt. Während wir am Ufer in der Nachmittagssonne dösen, nutzen die Kinder das Schauspiel, um Grenzerfahrungen darin zu sammeln, wie nah man sich an das Ufer wagen kann, ohne von der spritzenden Welle erfasst zu werden, also rechtzeitig die Gefahrenzone zu verlassen, ohne hinterher in triefenden Klamotten den Wiedereinstieg ins Auto verwehrt zu bekommen. So gesehen ist nichts Schlimmeres passiert, was den  Nachmittag insgesamt entspannt zu Ende gehen lässt.

Riva del Garda

Im weiteren Verlauf unseres Urlaubs besuchten wir noch Riva del Garda, ein unaufgeregter Ort an der Nordspitze des Gardasees, der touristisch nicht ganz so überlaufen ist, wie eben Limone oder Sirmione ganz im Süden des Sees. Dennoch bietet Riva eine ruhige Alternative zum hektischen Treiben dieser anderen Orte.

Toscolano Maderno

Richtung Süden, entlang des Westufers kommt man durch den kleinen Ort Toscolano Maderno. Der kleine Hafen und das gemütliche Flair des Uferbereichs laden zum Verweilen ein. Touristisch hat der kleine Flecken am See allerdings wenig zu bieten und dient viel mehr als kurzer Haltepunkt der großen Fähren auf ihren Touren über den See. Das „Hotel Golfo Palace“, das nur von der Durchgangstrasse vom Seeufer getrennt ist, steht leer und ist dem langsamen Zerfall preisgegeben. Dabei zeugt die imposante Fassade und die ausgesprochen gute Lage noch von besseren Zeiten. Aber auch viele andere Häuser im Ort stehen zum Verkauf. Wir haben den Eindruck, als verließen nach und nach die letzten Bewohner ihr kleines Örtchen am Westufer, das ihnen mittlerweile nicht mehr genug zum Leben lässt. Ein paar kleine Restaurants buhlen um die Mittagszeit um die vereinzelten Gäste der ankommenden Fähren. Mehr als die kleine Kirche am Ufer hat der vom Durchgangsverkehr stark frequentierte Ort offenbar nicht mehr zu bieten.

 

Sehenswert: Die Wallfahrtskirche „Santuario della Madonna die Montecastello“

700 Meter über dem Gardasee hingegen, in Tignale, der bergigen Landschaft westlich von Campione del Garda, thront auf einem steilen Bergvorsprung die Wallfahrtskirche „Santuario della Madonna di Montecastello“. Von hier fällt der Blick über das Steilufer auf das Ostufer mit Malcesine und dem mächtigen Monte Baldo im Hintergrund.  Der Ausblick ist atemberaubend und ein lohnenswertes Ausflugsziel. Die Zufahrt allerdings ist extrem bergig und kurvig. Die auf dem abschüssigen Kirchplatz ankommenden schweren Motorräder hatten Mühe, ihre Maschinen auf dem sandigen und rutschigen Boden sicher abzustellen.

Weitere Highlights rund um den Gardasee, sind die Festungsorte Sirmione am Südufer des Sees, Tremosine sul Garda, wo ein Blick von der „Schauderterrasse“ für die abenteuerliche Zufahrt durch die Berge im Hinterland mehr als entschädigt und der Lago d´Idro im gleichnamigen Ort, idyllisch gelegen im tal der Judikarien.

Gardasee-Cruising ohne Führerschein

Wer seine Ferien mit Wind in den Haaren und kühlem Seewasser im Gesicht abrunden möchte, dem sei unbedingt die Fahrt mit einem der führerscheinfrei mietbaren Sportboot empfohlen, die am Hafen von Limone angeboten werden. Für ca. 50 € kommt man eine Stunde lang in den Genuss, ein echter Kapitän auf einem echt spritzigen Boot zu sein. Nach einer kurzen Einweisung durch das Personal cruist Ihr mit 40 Pferdestärken und knapp 50 km/h  über den See. Bei entsprechendem Wellengang  werdet Ihr gut durchgeschüttelt. Mit viel Diesel im Blut seid Ihr danach bereit für das Abschlussbier auf der Seepromenade in Limone.

Die Zitronengärten von Limone

Für einen Regentag bietet sich ein Besuch in den Zitronengärten von Limone an (La Limonaia del Castel) an. Dort erfahrt Ihr Interessantes zur Entstehung des Orts und zur Geschichte des Zitronenanbaus in Limone. Kaum vorstellbar, wie viele verschiedene Zitronensorten es gibt und wie welche Sorte wo Verwendung findet. Ein Toptipp für verregnete Tage!

Urlaub am Gardasee ist immer wieder toll, und macht nicht nur Individualisten sondern der ganzen Familie Spaß.
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Trailer

Zum Einstimmen gibt es hier einen kleinen „Teaser“

Daniel Bär im Mai 2016


Bildnachweis: Alle Fotos von Daniel Bär (c)

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