Warum ich diese Kooperation abgelehnt habe

Boah, cool! Eine Kooperationsanfrage aus der Hauptstadt!

Letzte Woche erhielt ich eine Mail mit folgendem Inhalt:

 

Grundsätzlich offen gegenüber Kooperationen

Als Blogger mit (noch) geringer Reichweite fühlte ich mich zunächst sehr geschmeichelt. Gleichzeitig wurde ich aber auch stutzig angesichts des fast übertriebenen Lobs und der eigenartigen Ausdrucksweise. Immerhin hat sich der Absender die Mühe gemacht, meinen Blog in der Mail und einen gezielten Artikel namentlich zu erwähnen und zu verlinken. Ich kenne das aktuelle Standing meines Blogs ganz gut und weiß, dass die Anzahl der Leser und die Zugriffszahlen nicht gerade das sind, wonach sich große Werbekunden die Finger lecken. Trotzdem freue ich mich über Kooperationsanfragen und stehe dem grundsätzlich offen gegenüber. 

„no data“ im Traffic-Ranking

Bevor ich antworten wollte, habe ich mir vorgenommen, ein paar elementare Dinge vorab zu prüfen. Zunächst habe ich mir die genannten Referenzseiten einmal angeschaut und festgestellt, dass keine einzige dieser Seiten im Traffic Rank gelistet war. Selbst mein eigener kleiner Blog war dort schon aufgeführt. Zwar liegt mein Ranking irgendwo auf Platz x-Millionen, aber hier gab es nur die Anzeige „no data“. Dabei waren alle Webseiten inhaltlich gut gefüllt – auch mit zahlreichen Werbelinks. Das war die erste Ungereimtheit. 


Alles frei erfunden

Im zweiten Step habe ich mir das Impressum der einzelnen Seite genauer angeschaut. Nun bin ich berufsbedingt glücklicherweise in der Lage, Unternehmensinformationen schnell auf ihre Plausibilität prüfen zu können. Bei näherer Betrachtung stellte sich heraus, dass die im Impressum angegebenen Unternehmensnamen frei erfunden sind. Frei erfunden sind auch Handelsregisternummern, Angaben zur Geschäftsführung und zum angeblichen Stammkapital. In einem Fall wurde eine Handelsregisternummer genannt, die bereits seit Jahrzehnten von einem anderen (seriösen) Unternehmen verwendet wird. Will heißen, dass es zwei Internetseiten von zwei unterschiedlichen Unternehmen in Berlin gibt, die auf ihrer Impressumseite die identischen  Handelsregisternummern verwenden. Beide Gesellschaften sollen mit dieser HRB-Nummer beim Amtsgericht in Berlin-Charlottenburg registriert sein. Spätestens jetzt war mir klar, dass ich hier besser die Finger davon lassen sollte. Im weiteren Verlauf meiner Recherche stieß ich immer wieder auf Fantasiefirmen mit dubiosen Anschriften und Namen von Verantwortlichen, die ebenfalls frei erfunden zu sein schienen. Schließlich schrieb ich eine höfliche aber klare Absage, in der ich gezielt auf diese Ungereimtheiten hingewiesen habe. Bis heute habe ich nichts mehr gehört.

Was sind Eure Erfahrungen mit derartigen Anfragen?

Da ich eine solche Anfrage erstmals erhalten habe, wollte ich Euch fragen, ob Ihr solche Kooperationsanfragen kennt. Wißt Ihr, wer oder was dahintersteckt, und wie geht Ihr damit um? Ich muss zugeben, dass ich einigermaßen schockiert war. Um von meinem Blog aus keinen Traffic auf die betreffenden Homepages zu generieren, habe ich sie in diesem Artikel weder benannt noch verlinkt. Wen das Thema mehr interessiert und sogar selbst angefragt wurde, dem schicke ich die Webadressen gerne per PN oder Mail.

Wir arbeiten nur mit Partnern, die mit DoFollow verlinken

Eine weitere Kooperationsanfrage von letzter Woche klang durchaus lukrativer.  Ich wurde um die Abgabe eines Angebots gebeten. In meinen Bedingungen habe ich mich darauf festgelegt, dass ich bezahlte Artikel nur mit NoFollow Links versehe. Warum ich das tue, könnt Ihr hier nachlesen. Kurz gesagt: Es widerspricht den Googlerichtlinien. Postwendend kam die Antwort, dass das mit der Kooperation dann wohl nichts wird. Auftraggeber war eine junge SEO-Marketingagentur. Unter Hinweis auf die entsprechenden Richtlinien, bekam ich lapidar zur Antwort, dass meine Artikel so gut seien, dass dies von Google bestimmt nicht als Werbung erkannt werden würde. Ich frage mich ernsthaft, wie professionelle Agenturen so ihre Kunden beraten können, und dabei riskieren, dass diese u. U. horrende Abmahngebühren bezahlen müssen. Gleichzeitig riskieren die Blogger eine Abstrafung durch Google im eigenen Ranking und Vertrauen bei ihren Lesern. Offenbar gibt es genug Blogger, denen das Ganze herzlich egal ist. Das finde ich schade und ist keine gute Werbung für das Bloggerimage.


Fotos: lizenzfrei von www.pexels.com



5 comments

  1. Chris - Antworten

    Das erste Beispiel, von dem du erzählst, hat mich gar nicht so sehr schockiert. Das hake ich einfach unter „billiger Versuch, eingehende Links für irgendwelche dubiosen Seiten zu ergaunern“ ab. Aber die Agentur aus dem zweiten Beispiel find ich doch schon dreist. Nicht nur, dass sie von dir verlangen, eine Abstrafung von Google zu riskieren. Sie verlangen ganz offensichtlich auch, dass du Schleichwerbung machst. Deine Artikel sind so gut, dass Google sie nicht als Werbung erkennt? Sorry, was?!?! Dann soll der Leser es wohl auch nicht als Werbung erkennen? Das finde ich unglaublich unverschämt oder verdammt naiv …

  2. Romy Matthias - Antworten

    Sowas hatte ich zum Glück noch nicht. Aber die „Do-Follow haben will“ kommt alle naselang rein. Aber danke für die Tipps, doch öfters mal genauer auf das Kleingedruckte zu schauen. LG Romy

    • Daniel Bär - Antworten

      Danke! Ich habe am Anfang auch mit DoFollow verlinkt und mittlerweile auf NoFollow geändert. Das hat im Ranking urplötzlich einen gewaltigen Schub gegeben. Die organischen Treffer sind in Folge dessen auf 30 Tage gesehen um 71% raufgegangen

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