Unser erster Urlaub mit Hund

Vorbehalte vor dem Start




Als wir kürzlich einen Ausflug nach Baden-Baden zum Merkur gemacht haben, hat sich unsere kleine Amy (6 Monate) im Auto kurz vor dem Ziel übergeben. Offenbar waren die letzten kurvigen Steigungen zu viel für das Tier.  „Na toll!“ Unser Urlaub in die Berge stand kurz bevor. Heute war die Fahrt nur knapp eine Stunde, am kommenden Samstag liegen vier bis fünf Stunden Autofahrt vor uns. Wir schoben das Mißgeschick darauf, dass sich Amy kurz vor Fahrtantritt fressattackenmäßig den Bauch vollgeschlagen hatte. Das anschließende Verdauungsschläfchen hatte sie sich wohl anders vorgestellt. 

Ab in die Berge

Am Samstag war es soweit. Reiseziel war Inzell im Chiemgau. Prophylaktisch haben wir Amy´s Sitzplatz mit Handtüchern ausstaffiert, um im Falle eines Falles gewappnet zu sein. Wie wird es sein, wenn sie Pipi muss? Wird sie sich bemerkbar machen? Wird sie die Fahrt über ruhig bleiben oder wird sie quengeln wie ein kleines Kind? Das alles waren Fragen, die uns während der Reisevorbereitungen beschäftigten.  Nachdem Amy kurz vor Fahrtantritt ihre Geschäfte erfolgreich erledigt hatte, konnte es losgehen. Unsere 8-jährige Tochter hatte ihren Sitzplatz neben dem Hund. Wir rechneten damit, dass wir spätestens nach zwei Stunden einen Stopp einlegen müssten, um Amy ein bißchen Auslauf zu gönnen. 

Erste Reiseunterbrechung nach einer Stunde

Amy verhielt sich während der Fahrt überraschend ruhig. Dann meldete sich die Blase. Aber nicht die des Hundes, sondern die unserer Tochter, die bereits nach 45 Minuten dringend aufs Töpfchen musste. Okay. Gelegenheit für Amy, ebenfalls die Chance zu nutzen. Als ich mit Mirja gefühlte Stunden später zurück zum Auto kam, war Amy noch mit der Erkundung des Parkplatzes beschäftigt und ließ ihre Chance letztlich ungenutzt. Amy verhielt sich während der Weiterfahrt weiterhin friedlich. So konnten wir die nächsten zwei Stunden ordentlich Strecke machen. 

Die kleinste Blase bestimmt das Tempo

Und die hatte definitiv unsere Tochter. Bei der nächsten Pause hatte auch Amy erkannt, dass es sich bei den Unterbrechungen um so etwas Ähnliches wie Gassigehen handelt – für Mensch UND Tier.  Also lieferte sie dieses Mal auch. Nebenbei erwähnt, klappt es mit dem Pipimachen mittlerweile sogar auf Kommando – beim Hund.

Die erste Nacht auf fremden Terrain

Seit Amy bei uns ist, übernachtet sie in einer verschließbaren Box, die sie zur Zu-Bett-Geh-Zeit eigenständig und freiwillig aufsucht. Die Box hatten wir deshalb mit im Gepäck. Warum sollte es im Urlaub anders sein? Und wenn sie nach ihrer Box verlangt, sollte sie diese auch in der Ferienwohnung haben können. Tatsächlich verbrachte Amy die Abende und Nächte zunächst bei Mirja am Fußende in ihrem Bett, danach gesellte sie sich zu uns aufs Sofa und ging nach ihrem letzten Pipi schnurstracks in ihre Box und blieb ruhig in ihrer Höhle bis zum nächsten Morgen. Um Mirja einen Gefallen zu tun, hatten wir während unseres Aufenthaltes einmalig den Versuch unternommen, Amy in ihrem Bett schlafen zu lassen und sie nicht in die Box zu schicken. Der Versuch endete damit, dass unser Dackelwelpe mitten in der Nacht aufwachte, von Mirjas Bett hüpfte und orientierungslos durchs dunkle Schlafzimmer tapste. Den Rest der Nacht verbrachte sie dann wieder in ihrer sicheren Höhle.

Im früheren Leben Bergziege…

Bei unserem ersten Ausflug ging es mit der Seilbahn auf den 1.650 Meter hohen Rauschberg. Mal sehen, wie Amy die Höhenluft verträgt. Am Gipfel angekommen, gab es für Amy kein Halten. Sie erkundete die Umgebung ausgiebig, und die ausgedehnten Spaziergänge in der Natur sind für unseren Hund immer ein Highlight gewesen.  Steigungen überwand Amy am liebsten schnell, so dass die Vermutung aufkam, dass in dem Dackel mit den kurzen Beinen noch etwas Bergziege stecken musste. Anders lässt es sich nicht erklären, warum unsere Gipfelstürmerin immer vorneweg lief, wenn es über Stock und Stein nach oben ging.

…oder Fisch

Eiskalte Gebirgsbäche oder die tosende Klamm sind kein Grund, sich respektvoll am Ufer zurückzuhalten. Im Gegenteil. Wo immer wir mit Amy am Wasser waren, zog es sie wie magisch direkt dort hin. Wie kalt der Bach auch sein mochte, wie stark die Strömung auch war, mindestens einmal müssen alle Viere gleichzeitig im Wasser sein. Man will ja zuhause stolz erzählen können, dass man drin war. Wäre es nach Amy gegangen,hätten wir uns stundenlang am Wasser aufhalten können. Aber auch die Wanderungen im Wald entlang der Flußläufe nahm sie dankbar an.

Gechillter Urlaub

Überhaupt war die ganze Woche mit Amy äußerst gechillt und nicht mehr oder weniger anstrengend als zuhause. Nach unseren Ausflügen war sie am Abend sehr ausgeglichen, hatte sie sich doch tagsüber gut ausgepowert. Wichtig war es uns, ausreichend Ruhepausen für das Tier einzulegen. Die Tage waren so geplant, dass sie hälftig den Hund körperlich gut beanspruchten und die andere Hälfte eher ruhig waren. Z. B. ging es vormittags auf den Berg zum Wandern und am Nachmittag mit dem Schiff über den Königsee. 

Chance zur Erziehung nutzen

Der Urlaub bot auch Gelegenheit, die Erziehung des Hundes voranzutreiben. Besonders das Leineziehen wurde auf Dauer lästig. Während der Ausflüge gab es genug Möglichkeiten, Amy diese Unart abzugewöhnen. Konsequent legten wir jedes Mal den Rückwärtsgang ein, wenn sie an der Leine zog. Jedes Mal musste sie „Sitz“ machen und durfte erst auf Ansprache weitergehen. Wenn sie nicht hörte, wurde die Schleppleine kurzerhand wieder durch die kurze Leine ersetzt. Was soll ich sagen? Nach zwei Tagen hatte sie es endlich drauf. Irgendwann hatte sie keinen Bock mehr auf das Gejuckele beim Spazierengehen. Jetzt sind die Gassigänge auch zuhause deutlich entspannter als zuvor. 

Urlaub mit Hund nur zu empfehlen

Es ist empfehlenswert, möglichst früh einen Urlaub mit dem Hund zu machen. Er bietet unzählige Möglichkeiten für alle, sich gegenseitig besser kennen zu lernen. Richtig geplant, kommt auch der Erholungsaspekt nicht zu kurz. Außerdem macht es Spaß und die Erziehung geht in der Urlaubsstimmung  viel leichter von der Hand als im stressigen Alltag zu Hause. Wir freuen uns schon auf unsere nächsten Urlaubserlebnisse und haben in den Bergen nur gute Erfahrungen gemacht. Eure Fragen, Anmerkungen und Kritik könnt Ihr gerne im Kommentarfeld hinterlassen.


Fotos: (c) Daniel Bär

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