Tschüß Freunde! Wie Entfreunden entlastet… (Facebook)

Objektive Analyse

Heute gibt es einen etwas persönlicheren Blogartikel zum Thema „Facebook-Freundelisten“. Wie heißt es so schön? „Aus gegebenem Anlass…“


Als ich letztens mal wieder intensiver meine Freundeliste bei Facebook durchgegangen bin, habe ich mich gewundert, wer da alles drauf ist. Bei manchen habe ich mich sogar gefragt, WIE sie es auf meine Liste geschafft haben? Ehrlicherweise fehlte mir bei dem einen oder anderen der komplette Bezug. Ich kannte den Menschen gar nicht, jedenfalls wusste ich nicht mehr, woher. Und so durchzecht kann die Nacht nicht gewesen sein, dass ich mich nicht mehr erinnern könnte.

Das nahm ich zum Anlass, meine „Freundeliste“ auszumisten. Innerhalb einer Stunde kam ich so von 198 „Freunden“ auf 137 runter, von denen noch immer welche auf der „Abschussliste“ stehen. Die, die heute noch drauf stehen, können sich also nicht sicher sein, ob sie morgen auch noch drauf sind. Dabei ging es mir nicht darum, jemanden zu kränken oder zu strafen, sondern einzig und allein darum, mich innerlich zu befreien. Vielleicht denkt das der eine oder andere Betroffene jetzt auch. Endlich! Er oder sie haben sich einfach nicht getraut, mich zu entfernen. Dann passt es ja.

Die Dinge, die mir wichtig sind, packe ich in diesen Blog und verbreite sie nicht unbedingt in meinem privaten Facebookprofil. Jedenfalls eher selten, da viele Themen für mein privates Netzwerk einfach uninteressant sind. Wer sich dafür interessiert, kann den Blog über die Facebookseite abonnieren und gut ist. Darüber freue ich mich dann sehr.

Tschüß Freunde - wie Entfreunden entlastet

Die Methode

Phase 1

Ich bin die Freundeliste mehrfach durchgegangen. Dabei habe ich jeweils einen anderen Aspekt in den Vordergrund gestellt und nach diesen Kriterien entschieden. Angefangen habe ich mit besagten „Unbekannten“, deren Gesicht ich nicht mehr einer persönlichen Begegnung zuordnen konnte. Mag sein, dass ich der Person im echten Leben tatsächlich mal begegnet sind, kann auch nicht sein.  Da es zwischenzeitlich auch keine aktive Kommunikation auf irgendeiner Ebene gab, flogen die als erste raus. Wahrscheinlich werden die Betroffenen das niemals merken. Und wenn, auch egal.

Phase 2

In Phase 2 entschied ich nach Personen, die ich kenne und mit denen ich schon seit Jahren „befreundet“ bin, mit denen ich aber ebenso lang weder auf Facebook noch IRL (=im richtigen Leben) in Kommunikation getreten bin. Das einzige Aktuelle, was in deren Facebookprofil zu finden ist,  sind die Geburtstagsgrüße aus dem letzten Jahr, die verzweifelte andere Facebookfreunde dort platziert haben, ohne dass es hierbei zu einer Reaktion kam. Damit war ich mit Phase 2 ebenfalls durch.



Phase 3 

Jetzt wurde es langsam kniffliger. Dennoch: Es musste sein. Kennt Ihr das? Ihr habt auf FB (=Facebook) zufällig alte Kindergartenfreunde oder Schulkameraden aus der Grundschule wieder gefunden und vernetzt Euch impulsiv im Überschwang der freudigen Gefühle mit ihnen. Ihr bringt Euch auf den aktuellen Stand Eures aufregenden Lebens und freut Euch, endlich wieder Kontakt zu haben. Dann passiert erst einmal gar nichts. Mit Erlöschen des ersten Freudenfeuers erlischt bald auch der weitere Kontakt. Ihr hattet Euch damals nicht viel zu sagen, heute eben auch nicht. Mit der Zeit verblasst die Erinnerung wieder. Jeder lebt sein Leben wie bisher. Vermissen tut Ihr Euch auch nicht wirklich. Die habe ich auch wieder gelöscht. Und soll mir hinterher keiner einen Vorwurf machen. Er/sie hätte mich ja mal wieder virtuell „anstupsen“ können. Jetzt hab ich dich eben rausgestupst. Ist auch eine Art Kommunikation. Final eben.

Phase 4 

Als ich mir die Liste nach einer Stunde Abstand letztmalig vornahm, mussten alle die dran glauben, mit denen ich eher „locker“ vernetzt war, sei es aus beruflichen Gründen oder die ich vor Jahren mal privat oder über andere kennengelernt habe, heute aber kaum mehr mit ihnen zu tun habe. Und einige Kinder, mit deren Eltern ich virtuell wie real befreundet war oder bin. Vielleicht trauen sich die Kinder nicht, mich zu löschen, aus Angst vor blöden Reaktionen meinerseits oder deren Eltern. Aus falsch verstandener Moral oder Höflichkeit muss die Facebook-Freundelisten-Verbindung nicht aufrechterhalten werden. Die Vernetzung war meist ebenfalls einige Jahre alt, weitere Kommunikation fand allerdings nicht statt. In meiner Vorstellung wäre ich als Kind / Jugendlicher / junger Erwachsene froh, mich in meiner eigenen „Lebenswelt“ vernetzen zu dürfen und die „Alten“ loszuwerden. Lebensstil und Interessen liegen ohnehin weit auseinander. So habe ich dann gehandelt.  

Das Ergebnis

Auf diese Weise habe ich mich – jedenfalls virtuell – am Ende von 61  „Freunden“ getrennt, die keine tragende Rolle in meinem Leben spielen. Einige davon sind ein längeres oder kürzeres Stück des Lebensweges mit mir gegangen und sind wieder aus meinem Leben verschwunden. Neue Menschen kommen hinzu. Auch sie begleiten mich. Wie weit? Das weiß ich nicht. Auch auf Facebook? Das ist nicht mehr so wichtig. Ich habe sie alle ohne Groll entfernt. Wer von diesen mir jetzt wieder eine Freundschaftsanfrage schickt, bleibt abzuwarten. Viele denken, es sei ein „technischer“ Fehler gewesen, wenn sie sich nicht mehr auf einer Freundeliste wieder finden. Dann schicken sie einfach eine neue Anfrage. Ich muss in diesem Fall überlegen, was ich tun werde. Die Sorge dann. Noch ist alles ruhig.

Facebook-Freunde

Wer verblieb auf der Liste?

137 Facebookfreunde habe ich noch.  Menschen, mit denen ich zum Teil auch im richtigen Leben zusammenkomme. Menschen, deren Lebensweg mich interessiert. Menschen, die mich inspirieren und weiterbringen. Menschen, mit denen ich örtlich verbunden war oder bin. Menschen, mit denen ich spontan auf ein Bier gehen würde, träfe ich sie auf der Strasse.

Man kann nicht nicht kommunizieren

Paul Watzlawick (1921-2007) , ein österreichischer Psychotherapeut und Philosoph, hat den Satz geprägt: „Man kann nicht nicht kommunizieren.“ Dem stimme ich voll zu. Denn was ist die jahrelange, stumme Anwesenheit auf meiner Freundeliste anderes, als ein Signal, wie substanzlos das Verhältnis zueinander ist. Ich habe deshalb entschieden, dieser Substanzlosigkeit ein Ende zu bereiten. Das entlastet mich darin, mich nicht mehr damit beschäftigen zu müssen und macht mich frei dafür, meine Energien in die Zukunft zur richten und alten Ballast – auch alten Beziehungsballast – abzuwerfen. Wie geht Ihr mit Euren Freundelisten um? Mistet Ihr auch von Zeit zu Zeit aus, und wen trifft es?

Ich freue mich auf Eure Kommentare!


Fotos: lizenzfrei www.pexels.com

2 comments

  1. Gabi - Antworten

    Sehr gut. Den Satz von Paul Watzlawick kannte ich von einer Freundin, die Psychologie studierte wir haben in immer wieder angewendet und mußten oft lachen darüber. Das mit Fb Freunden ausmisten ist gut, den ich fand auch welche, wo ich keine Ahnung habe wie die zu meinen Freunden wurden?! Qualität vot Quantität. Lg. Gabi

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