Reisebericht: Kreta – Cactus Beach**** (Juni 2017)

Der Preiskampf am Himmel

Eine Woche Kreta. Das war unser Plan. Die Reisenden: 4 Erwachsene und 3 Kinder zwischen fünf und acht Jahre alt. Untergebracht in zwei Familienzimmern  im 4-Sterne-Hotel „Cactus Beach“ in Stalis, im Nordteil der Insel.  Der knapp einstündige Transfer vom Flughafen Heraklion verlief reibungslos.  Um ca. 12.00 Uhr Ortszeit schlugen wir ausgehungert in der klimatisierten Lobby auf. Die Zeiten, in denen es bei einem 3-stündigen Flug (hier: CONDOR) einen Schluck zu trinken oder einen Happen zu Essen gibt, sind längst vorbei. Wer nicht zahlt, guckt in die Röhre oder durstig aus dem Fenster und fragt sich, ob die das mit Absicht machen, dass es am Gate nichts mehr zu kaufen gibt. Für 2 kleine Flaschen Mineralwasser (0,5 l)  löhnen wir 5,00 € und sehnen uns nach den Zeiten zurück, in denen uns nach dem Start nicht nur der obligatorische Tomatensaft sondern auch noch ein leckeres Frühstück serviert wurde. 

Erst mal was essen

Die knurrenden Mägen müssen in der ganzen Ferienanlage zu hören gewesen sein – verstärkt durch die Ankündigung, dass das Buffet-Restaurant erst um 12.30 Uhr öffnet und die Zimmer erst ab 13.00 Uhr bezogen werden können. Bleichgesichtig wie wir waren – ob jetzt wegen des Hungers oder der fehlenden Sonnenbäder – ließen wir uns an den Tischen am nahe gelegen Pool nieder. Dort wurden wir freundlich und zuvorkommend empfangen und durften uns an der Poolbar mit Getränken versorgen. Außerdem lagen in einer Kühltruhe Brötchen mit Schinken und Käse, die unseren Hunger für´s erste stillten. Gut versorgt stieg auch bei allen die Laune und wir freuten uns schon auf ein erfrischendes Bad im Pool. Um nicht am nahenden Buffet mangels Hunger auf das Abendessen ausweichen zu müssen, beließ ich es vorläufig bei einem Schinkenbrötchen. Nicht zu wenig, um blutzuckermäßig nicht abzustürzen aber auch nicht zu viel, um nicht gleich ins Suppenkoma zu fallen.



Check In – unsere Zimmer

Nach dem Mittagessen ging es auf die Zimmer. Unserem vorab per Mail angekündigten Wunsch, die beiden Familienzimmer in kurzer Distanz zueinander zu haben wurde zu unserer Überraschung prompt entsprochen. Im mittleren Gebäudekomplex, auf halbem Weg vom Hauptrestaurant zum weiter oben liegenden Pool, bezogen wir die Zimmer 427 und 433. Alle Zimmer sind komplett saniert, modern und waren tiptop sauber. Das in stylischem Grau geflieste Bad mit der gläsernen Duschwand, der Hand- und fest installierten Regenbrause macht einen guten und hochwertigen Eindruck. Die WC-Spülung, die Markenwaschbecken und die Armaturen beweisen Qualitätsbewusstsein.

Planungsfehler

Zwei Planungsfehler dürfen jedoch nicht unerwähnt bleiben: Dazu zählt eine fehlende Badspiegelbeleuchtung, was das ordentliche Schminken oder Rasieren erschwert bis unmöglich macht. Das Licht kommt ausschließlich von der Decke und dazu noch von hinten. Außerdem gibt es im Bad keine Steckdose für die elektrische Zahnbürste oder den Rasierapparat. Ein funktionierender Fön ist allerdings vorhanden. Während unseres Aufenthalts wurden unsere Räume noch mit großen Spiegeln ausgestattet. Vielleicht wird die Spiegelbeleuchtung später noch geliefert… 

Besitzansprüche am Pool

Es zischte förmlich als wir uns am frühen Nachmittag endlich Kühlung im Pool verschaffen konnten. Dort war es nicht übermäßig voll, so dass wir problemlos genug Liegen fanden, um uns für die nächsten Stunden einzurichten. Leider stellte sich in den nächsten Tagen heraus, dass auch hier die Unart, die Liegen quasi nach Sonnenaufgang mit  Handtüchern zu reservieren um sich gegriffen hat. Und nicht nur das. Eine noch nie gesehene Steigerung war es, die wenigen weißen Beistelltischchen mit den Beinen nach oben gleich mit auf der Liege zu platzieren, um den Besitzanspruch hierauf zu untermauern.

Rache ist süß

Wenn auch versehentlich passiert, war es am nächsten Morgen doch eine kleine Genugtuung, mit anzusehen, wie sich der orange-rote, süße, klebrige Fruchtsaft eines auf dem Boden abgestellten Kindercocktails über die Fliesen unter dem dort  abgestellten Rucksack einer solchen Person ergoß. Wofür hat sie denn ihr Beistelltischchen und den Sonnenschirm reserviert? Dort hätte sie ihren blöden Rucksack sicher platzieren können. Stattdessen plusterte sich die Dicke auch noch auf und ihr ohnehin von der Sonne schweißig-rot angelaufenes Gesicht verfärbte sich vor Wut ins Dunkelrote. Sie beschwerte sich jetzt über das störende „Rumgeräume“ der Liegen und Sonnenschirme und fand das alles eine „Unverschämtheit“. Die unter Tränen des unglücklichen Kindes hervorgebrachte Entschuldigung quittierte die Dame nur mit einem wortlosen Kopfnicken. Ihr nicht weniger beleibte Ehemann beobachtete die Szenerie ungerührt und kommentarlos mit etwas Abstand von seiner reservierten Liege aus. Die dritte reservierte Liege wurde von der vielleicht zwanzigjährigen Tochter besetzt, die ihr Gesicht während dessen hinter ihrem Buch versteckte und -offenbar peinlich berührt – ebenfalls kommentarlos blieb. Wenige Tage später rollten alle drei mitsamt ihren Koffern vom Hof und reisten ab. Endlich! Doch meist folgt auf das eine Elend ein anderes. Dazu später. 

Das Buffet

Wie bereits in vielen anderen Bewertungen zu diesem Hotel zu lesen ist, können auch wir uns ganz den positiven Aussagen anschließen. Es würde hier zu weit führen, im Detail die täglich wechselnde Speisekarte herunterzubeten. Nur so viel sei gesagt: wer aus dem reichhaltigen Angebot nicht das Richtige für sich findet, ist überall verkehrt.

Italienisches / Griechisches Restaurant

Jeder AI (all inclusive) – Gast hat während seines Aufenthalts die Möglichkeit, je ein Abendessen beim Italiener (Cactus Village) und beim Griechen am Strand (Cactus Beach) zu buchen. Um dem täglichen Trubel im Buffetrestaurant zu entfliehen ist dies eine gute Gelegenheit. Wer wie wir nur eine Woche gebucht hat, ist gut beraten, möglichst schnell einen Termin an der Rezeption zu machen. Und es lohnt sich. Der Service war hervorragend und das Essen ebenfalls. TIPP: Die Nudeln, die beim Italiener auf der Vorspeisenkarte stehen, waren echt der Hammer. Mit dem Hauptgang (PIZZA) wünschten wir, wir hätten aus dem Vorspeisenteller das Hauptgericht gemacht.

AI-Getränke

Kurz gesagt, wer sich an Wasser und Bier hält, macht nichts verkehrt. Ach ja, der Ouzo ist auch nicht zu verachten. Nur solltet Ihr an der Mythos-AI-Bar besser kein Sodawasser bestellen. Das schmeckte nach Chlor – warum auch immer. Fruchtsäfte und Limonaden waren nicht mein Geschmack. Auch die AI-Cocktails, die es in allen Farben gab, taugen mehr zum schnellen Kopfschmerz statt zum genussvollen Cocktailabend und waren ungenießbar. Wir haben sie alle probiert. Wer auf einen guten Caipirinha oder Mojito nicht verzichten will, kann sich diesen an der zentral gelegenen Mythos-Bar gegen Bezahlung bestellen. Die Preise liegen ab 6,00 € in einem annehmbaren Rahmen. Die Kinder tranken hauptsächlich Wasser und den „Kinder-Cocktail“ genannten Fruchtsaftmix. 

Umgebung

Stalis ist zu 100% vom Tourismus geprägt. Sehenswerte Kulturgüter gibt es in der näheren Umgebung nicht. Von Stalis aus sind wir mit der Bimmelbahn knapp 90 Minuten unterwegs gewesen. Außer Hotels, Restaurants, Bars und Shops, die sich fast ohne Unterbrechung kilometerlang an der Durchgangsstrasse bis ins 5 km entfernte Malia  aneinanderreihen, gibt es nichts Nennenswertes zu sehen. Wer am örtlichen Strand nicht wie ein Hering neben dem anderen liegen möchte, findet Richtung Malia ein paar einsame Buchten, die zum entspannten Baden einladen. Hierzu ist es ratsam, sich eines der Quads zu leihen, die an jeder Ecke angeboten werden.

EVEXIA Fish Spa – happy wife happy life!

Nach unseren ersten neugierigen Blicken in die Aquarien des örtlichen Fish Spa haben wir Rafaela schnell in unser Herz geschlossen. Die hübsche und aufgeschlossene Einundzwanzigjährige leitet das Geschäft Ihrer Vaters seit drei Jahren. Unsere zwei erwachsenen Mädels haben es sich nicht nehmen lassen, den kosmetischen Spaß gleich auszuprobieren. Füße waschen und rein zu den Fischen, die sich sogleich hungrig an die Arbeit machten. Nach 30 Minuten schloss sich eine Fussmassage an. Nach Auswahl des passenden Nagellacks machte sich Rafaela an die finale Verschönerung der Füsse und kümmerte sich professionell um Füße, Nägel und die Lackierung. Die Mädels waren mit dem Ergebnis hochzufrieden und glücklich. Happy wife happy life! Rafaela selbst träumt von einer Karriere als Stewardess und Pilotin. Sie liebt alles, was mit Flugzeugen zu tun hat. Das Angebot ihres Vaters, 60% der Geschäftsanteile des Spas zu übernehmen, lehnte sie deshalb ab. „This is not my dream“ ließ sie ihren Vater wissen. Wir wünschen ihr für ihre Zukunft alles Gute und haben abschließend versprochen, für den hauseigenen Spa-Flyer eine vernünftige deutsche Übersetzung zu liefern. 

Die Goldene Stunde

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Brille: my-spexx Hemd: Camp David Hose: H & M

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Hose: H & M

Das Licht am Meer ist in den späten Nachmittagsstunden besonders schön. Alles wird in ein goldenes, warmes Licht getaucht. Ideal für ein paar Fotos. Von my-Spexx* habe ich mir meine neue Brille kommen lassen, die ich rechtzeitig vor dem Urlaub erhalten habe. Obwohl zu Beginn skeptisch, eine Brille online zu konfigurieren und anzuprobieren, war ich doch überrascht, wie einfach alles ging. Über den Status der Bestellung war ich immer auf dem Laufenden. Nach nicht einmal 14 Tagen kam die Lieferung prompt. Die Qualität der Gläser entsprach genau den Vorgaben auf dem Brillenpass und nichts trübte meinen Blick durch sie hindurch. Wer seine Sehstärke genau kennt, kann in Online-Brillen-Shops, jedenfalls bei my-Spexx, bedenkenlos einkaufen. Die Goldene Stunde auf Kreta nahm ich daher zum Anlass, mal wieder ein paar schöne Fotos zu schießen und das tolle Licht auszunutzen.

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Die Ruhrpott-Connection

Oft gelten in den Ferienanlagen rund ums Mittelmeer besonders die Engländer als laut und ungehobelt und sind als Trunkenbolde und aggressives Touristenvölkchen verschrien. Dem Dialekt nach zu urteilen handelte es sich bei diesen Zeitgenossen eindeutig um Westdeutsche und der Lautstärke zufolge um schlecht erzogene Proleten, die altersmäßig – jedenfalls optisch – so um die 40+ anzusiedeln waren. Was sie von sich gaben, erinnerte eher an pubertierendes testosterongeschwängertes Geschwätz. Die Wortführerin mit ihrer vom Alter und zu viel Sonne gezeichneten nathlos gebräunten Haut mit Arschgeweih, holte „den Jungs ersma ein Bier!“ 3 Männer, 3 Frauen – ergeben 6 Liegen oder 5 Liegen plus ein Stuhl. Wie auch immer.

Stress am Pool

Der Streit entzündete sich an Liege Nummer 6 und / oder  7, die ein ältere Herr für sich reklamierte. Dabei beanspruchte er zwei Liegen, wovon eine weder als reserviert gekennzeichnet war, noch direkt von der rheinländischen Truppe belegt war. Einer der Männer nutzte die Liege, um sich darauf der Gruppe zugewandt hinzusetzen – nicht um darauf flach zu liegen. Diese Tatsache nutze besagter älterer Herr, der offenbar russischer Herkunft war, um diese Liege für seine gerade nicht anwesende Ehefrau zu beanspruchen. Das sich daraus ergebende Streitgespräch, bei dem nur von der Sache her klar war, um was es ging, eskalierte dahingehend, dass eine der Frauen sich auf direktem Wege zur Hotellobby aufmachte, um den Hotelmanager zu holen. Die Ehefrau des Russen mischte sich in den Disput um die Liege ein und wetterte vom darüber liegenden Balkon mit. 

Leider hat es damals geschneit

Zwischenzeitlich beruhigten sich die Gemüter wieder, so dass ein Eingreifen durch das Management von Seiten der sechsköpfigen Gruppe unter der Wortführung besagter Frau mit Arschgeweih nicht mehr als notwendig erachtet wurde. Der Mann machte die besetzte Liege frei und begnügte sich mit einem Stuhl. Im weiteren Verlauf begab sich der mittlerweile bei der dritten Bierrunde angekommene Mob aus Westfalen historisch in die Tiefen des 2. Weltkrieges und bedauerte, dass es vor 70 Jahren „leider zu schneien angefangen“ hat, als die Deutschen kurz davor waren, den Russlandfeldzug zu gewinnen.  „Gespräche“ und Sprüche auf ähnlich „hohem“ Niveau unterhielten mittlerweile die restlichen Poolgäste. Mit jedem Bier sank der Unterhaltungswert analog zum steigenden Lärmpegel. Schließlich suchte ich mir zum Lesen meines Buches einen andere Liege außerhalb der Hörweite und freute mich zum ersten Mal, dass wir in zwei Tagen abreisen. 

Fazit

Unabhängig von den Gästen und ihrer Herkunft lässt sich das Hotel „Cactus Beach“ uneingeschränkt als Urlaubsziel empfehlen, sofern die Ansprüche auf nicht mehr als eine gepflegte Anlage, chillige Atmosphäre, gutes Essen und Erholung am Pool mit einem Buch oder Musik angelegt sind. Familien können ihre Kinder tagsüber in den Kids-Club schicken, wo sie von jungen, motivierten und freundlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter betreut werden. Die Mini-Disko um 20.30 Uhr (außer freitags) wurde zum obligatorischen Muss bevor wir an der Bar den Abend beim Bier, Wein oder Ouzo ausklingen ließen. Wir haben die Woche genossen und reisten zufrieden und erholt wieder ab. Nach knapp 3 Stunden Flug sind wir wieder in Frankfurt gelandet. Bevor wir ins Flugzeug eingestiegen sind haben wir im Duty Free Shop noch schnell 3 Flaschen Mineralwasser (0,5 l) eingekauft. Kostenpunkt: 50 Cent pro Flasche.


Fotos: © Daniel Bär
 
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