Warum eine Neuwagen-Konfiguration Höllenqualen verursacht

(93+1) + 85 Prospekt-Seiten oder: die höhere Mathematik, eine C-Klasse zu konfigurieren

Am Wochenende saß ich gefühlt zum 1.000 Mal über dem Hochglanz-Prospekt meiner neuen C-Klasse (Preisliste + Broschüre). Penibel bin ich sämtliche Ausstattungsmerkmale durchgegangen und habe sie mit der Bestell-Konfiguration aus Januar verglichen. Könnte ja sein, dass ich irgendetwas Wichtiges bei der Zusammenstellung übersehen habe. Auch der Einwurf meiner Frau, dass ich jetzt sowieso nichts mehr ändern könne, hielt mich nicht davon ab, mich vor der Auslieferung rein rational mit den Fakten zu beschäftigen. Am 01. Juni will ich keine böse Überraschung erleben, wenn ich das edle Gefährt übernehme. (Ich werde berichten!)  Mit dem (hochwertigen ← echt jetzt!) Mercedes-Kugelschreiber aus dem Dialog-Paket gehe ich pedantisch jedes Detail aus der Preisliste durch, vergleiche und kreuze an, welche Ausstattung am Ende im Auto stecken muss, das ich im Januar unter freudig emotionaler Erregtheit selbst konfiguriert habe. Vielleicht war ich damals zu schnell gewesen und habe einen Fehler gemacht? 

Ohne Hochschulabschluss kein Durchblick bei der Konfiguration

Für die Zusammenstellung anhand von Prospekt + Preislisten zum Blättern bin ich nicht geschaffen. Zu viel Papier, zu langsam, zu komplex.  Mag sein, dass man dabei gründlicher und überlegter vorgeht – aber eben auch emotionsloser. Und ohne Hochschulabschluss und abgeschlossenem Studium summa cum laude  blickt ein normal begabter Mensch bei so vielen Lines, Design-Paketen, Serien- und Sonderausstattungen auf 93 Seiten plus 1 Seite für Notizen (ha, ha) sowieso nicht mehr durch.  Der 86-seitige Hochglanz-Prospekt mit den durchgestylten Detailfotos soll zusätzliches Anschauungsmaterial zur tabellenlastigen Preisliste bieten. Mit zwei Prospektheften gleichzeitig bin ich – wie Männer allgemein, wenn es um Multi-Tasking-Aufgaben geht – überfordert. Aber vielleicht ist das auch Absicht. Schenkt man ausgewählten Studien Glauben, entscheiden am Ende eh die Partnerinnen, was gekauft wird: ein Mercedes.

Ob Rot, ob Schwarz, ob Weiß – ich finde alle Klassen heiß

Vielleicht geht es deswegen auf den ersten Prospektseiten überwiegend um Farben und Räder. Farblich bin ich flexibel: „Ob Rot, ob Schwarz, ob Weiß – ich finde alle Klassen heiß.“ Sind diese nebensächlichen Themen erst mal abgehakt, geht es ans Eingemachte; an das, was uns Männer wirklich interessiert: Maschine, Motoren und Pferdestärken – blaues Begrüßungslicht und wie tief ich das Auto legen kann, bevor der Boden am Asphalt kratzt. Da ich jetzt mindestens dreihundert Ausstattungsvarianten durchrechnen muss, bis für mich das Beste oder nichts herauskommt, steige ich jetzt um auf die Online-Variante.

Konfiguration Mercedes S205

Das Beste oder nichts

Ich bin für die Konfiguration über die offizielle Internetseite gegangen, auf der ich ich mich schnell zurecht gefunden habe. Umso schneller bin ich dann auch über das Budgetziel hinausgeschossen… Deswegen brauche ich ja auch dreihundert Anläufe.

Bis die vorgegebene Höchstgrenze der Leasingrate erreicht ist, muss ich so viel umkonfigurieren, dass ich am Ende nicht mehr weiß, was ich am Anfang drin hatte. Haben die abgedunkelten Scheiben zu den „Must-Haves“ oder „Nice-to-Haves“ gehört? Nach der 3. Variante habe ich das schon wieder vergessen. Das Schmerzhafteste wäre ja, ein „Must-Have“ in der Konfiguration vergessen zu haben, während man ein „Nice-to-Have“ einfach drin gelassen hat, obwohl dafür das „Must-Have“ vielleicht doch noch zu haben gewesen wäre. Ihr wisst, was ich meine: Sonnen-Rollos statt LED Intelligent Light System. Das lässt sich auf der Internetseite bequemer lösen, weil bei spontanen Änderungen in der Konfiguration eventuell zuvor gebuchte Pakete berücksichtigt und unter Angabe der Preisänderung entsprechend angepasst werden. Meine Sprunghaftigkeit in diesen Dingen ist so enorm, dass man mich spätestens nach einer halben Stunde ins Sauerstoffzelt legen müsste, wenn ich das nur auf dem Prospektwege zum Abschluss bringen sollte. 

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Von den vielen schwarzen Punkten in der Preisliste (= lieferbar gegen Mehrpreis) wird mir ganz schwummrig vor Augen, und die Seiten mit der Überschrift Mercedes-AMG habe ich mit Tränen in den Augen überblättert.  Das sind Höllenqualen. Später, wenn der erste Schmerz überwunden ist, kann man sich etwas emotionsloser an das AMG-Thema heran machen. Unter der Überschrift „nice-to-have“ guckt man sich halt nur die Bilder an 😩.  Menschen, die ihren Mercedes als AMG fahren dürfen, brauchen keinen Himmel mehr, oder?

Irgendwas ist immer

Was hat meine Pedanterie mit Stift und Prospekt ergeben? Habe ich doch glatt ein „Nice-to-Have“ bei der Konfiguration vergessen: Die Velours-Fußmatten. Ärgerlich. Jetzt muss ich mir für den hochwertigen Benz wieder billige Fußmatten bei Aldi besorgen. Irgendwas ist ja immer. Na ja, vielleicht lasse ich mich doch noch zum Kauf der Originale hinreißen. Alles andere wäre ja Stilbruch. 

Apropos Stil: schaut Euch mal im Video den Teaser (frei übersetzt: Appetithäppchen) zum neuen Kompakten CONCEPT A SEDAN an. Da leuchten doch sofort wieder sämtliche Hirnareale im Haben-Will-Zentrum auf.  Einfach unwiderstehlich. Das nächste Höllenfeuer lodert schon… 

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Bildnachweis: www.mercedes-benz.de (eigene Konfiguration) / YOUTUBE

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