Mutmaßlicher Sexualtäter und Mörder von Maria L. gefasst „Hängt ihn höher…“

Illegal eingereister 17jähriger Flüchtling aus Afghanistan verhaftet

 
Es ist unfassbar, sollte sich nun herausstellen, dass ein 17jähriger illegal eingereister afghanischer Flüchtling schuld sein soll am Tod der 19jährigen Studentin in Freiburg. Es gibt auch keine Worte für das Leid, das den Angehörigen mit dieser Tat zugefügt wurde. Ich empfinde tiefes Mitleid und verabscheue die Tat abgrundtief. Den Täter muss die volle Härte des Gesetzes treffen. Die Abschiebung nach Verbüßung der Haftstrafe muss die logische Konsequenz dieser Straftat sein.
 
Genauso verabscheue ich aber auch den pawlowschen Reflex, mit dem die lefzensabbernden Kampfhunde wieder über „die“ Flüchtlinge herfallen wie Hyänen über das Aas. Das „Volk“ meldet sich wieder zu Wort und schürt Misstrauen, Angst und Hass.
 
Aus diesem Verbrechen mit Kalkül politisches Kapital zu schlagen ist  genauso verabscheuungswürdig, wie die Tat selbst. Egal, welcher Herkunft der Täter entstammt.
 
Ohne Frage ist die Tatsache, dass es sich um einen Flüchtling handelt in letzter Konsequenz die Folge politischen Handelns. Genauso Folge des politischen Handelns ist aber auch die Politik, die dazu geführt hat, dass Zigtausende von Menschen auf der Flucht vor Krieg und Terror sind. Das dürfen wir nicht vergessen.
 
Eine Tat wie diese zum Anlass zu nehmen, reflexartig und pauschal gegen Flüchtlinge zu hetzen und Frau Merkel gleichsam stellvertretend für den Täter für dieses Verbrechen „an die Wand zu stellen“, halte ich dann aber doch für sehr weit hergeholt und wenig lösungsorientiert.  Die „Frau-Merkel-hat-Blut-an-ihren-Händen“-Rufer verkennen, dass nicht sie die Tat begangen hat und dokumentieren mit dieser Geisteshaltung, dass sie sich genau von den Werten entfernen, die sie doch gemeinhin verteidigen. Genau genommen macht es doch keinen Unterschied mehr, ob das geschätzte Volk Frau Merkel zur Mörderin abstempelt und damit pauschal gegen Flüchtlinge hetzt oder ob es gleich selbst die Flüchtlingsheime anzündet. Mit freiheitlich-demokratischen oder gar christlich-abendländischen Werten hat das alles herzlich wenig zu tun.
 
Die sexuelle Komponente des Verbrechens emotionalisiert dabei zusätzlich und führt verständlicherweise zu  Worten für das Schreckliche, was nicht mehr in Worte zu fassen ist. Um es ganz deutlich zu machen: es geht nicht um die Verharmlosung der Tat. Es geht auch nicht um ein „Ins-Verhältnis-Setzen“ zu anderen schrecklichen Morden, die jeden Tag in Deutschland geschehen. Der Tod eines Menschen ist nicht relativierbar. Und die Schuld eines Einzelnen ist nicht pauschalisierbar. Sie ist individuell, nicht kollektiv.
 
Das „Hängt-ihn-höher“ – Geschrei der Abendlandretter macht andererseits weder das Geschehene ungeschehen noch löst es ernsthaft die Problematik, die es mit straffällig gewordenen Flüchtlingen gibt und mit Sicherheit noch geben wird. Lautstark den Rücktritt Merkels zu fordern mag zwar populär sein, wer aber steht dann als Garant für eine verbrechensfreie Gesellschaft, wenn wir den letzten Flüchtling hinter die deutsche Grenze gekarrt haben? Welche unliebsamen Minderheiten jagen wir dann durchs Dorf? Homosexuelle? Andersfarbige? Obdachlose?
 
Genauso so falsch ist es aber auch, Herrn Wendts (Bundesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft) Äußerungen als Verhöhnung des Opfers zu bezeichnen. Er sagte nämlich am 05.12.16 gegenüber BILD-ONLINE:
 
„Dieses und viele andere Opfer würde es nicht geben, wäre unser Land auf die Gefahren vorbereitet gewesen, die mit massenhafter Zuwanderung immer verbunden sind (…)“
 
Im Hinblick auf den Ermittlungserfolg der Polizei muss die Frage unbedingt und zwingend erlaubt sein, was im Vorwege hätte anders laufen können, um dieses Verbrechen zu verhindern.
Schließlich tut man dies in allen anderen Fällen, in denen Deutsche die Täter sind, mit der gleichen Selbstverständlichkeit. Hier latente Fremdenfeindlichkeit zu unterstellen ist genauso unsäglich. Stegners Reaktion, dass die Einlassung Wendts „dümmer als die Polizei“ sei, hätte dieser sich auch sparen können. Um bei den Fakten zu bleiben:
 
Das Risiko, in Deutschland Opfer eines Sexualmordes zu werden lag 1991 bei
0,00006 % . 1991 lag es bei 0,000019 % und ist in den letzten 14 Jahren um ca. 60% gesunken. Gerechnet auf 80 Mio. Bundesbürgerinnen und Bundesbürger wurden im Jahr 2015 dreizehn Menschen Opfer eines Sexualmordes. 1991 waren es immerhin noch 42 Morde (gerechnet auf 70 Mio. Einwohner).
 
 
 
 
Ja. Jeder dieser Morde war und ist einer zu viel. Auch dieses Tötungsdelikt an Maria L..Damit  aber jetzt Stimmung gegen Flüchtlinge zu machen, geht zu weit. Dafür muss man kein Befürworter der Flüchtlingspolitik von Frau Merkel sein, um das zu begreifen. Individuelle Schuld zu kollektivieren und quasi alle Flüchtlinge in Sippenhaft zu nehmen, läuft einer demokratisch freiheitlichen Gesellschaft zuwider.
 
Mutmaßlich war der Afghane der Täter und offenbar war er illegal eingereist. Die Hintergründe sind noch völlig unklar. Und schon schießen wieder die Spekulationen ins Kraut. Spekulationen über das mit Sicherheit zu erwartende „milde Strafmaß“, über die mit Sicherheit „vorzeitige Entlassung“ und die mit Sicherheit zu berücksichtigenden „strafmildernde Umstände“.  Bei allem Verständnis: die daraus abgeleitete Stimmungsmache ist unerträglich. Ebenso die Vorverurteilungen.
 
Mit dem mutmaßlichen Mörders von Maria L. den Niedergang der Sicherheit in Deutschland herbeireden zu wollen, trägt nichts zur Aufklärung der Tathintergründe bei. Sie spiegelt auch nicht die Sicherheitslage in Deutschland wider. Über die merkelsche Flüchtlingspolitik lässt bestimmt sich trefflich streiten. Ihr Scheitern jedoch mit dem grausamen Tod der Studentin belegen zu wollen, ist reiner Populismus und nur Wasser auf die Mühlen rechtsextremer Kräfte.
 
Bei allen aufkommenden Rachegelüste: wer denkt an die Betroffenen?
 
Die Eltern von Maria müssen unter unendlichem Leid den anstehenden Prozess verkraften. Die Familie braucht menschliches Mitgefühl und keine rachsüchtigen Abendlandretter. Sie braucht Menschen mit Einfühlungsvermögen um sich herum und keine  ichbezogenen Marktschreier und Weltverbesserer.
 
Sie möchte eine Antwort auf die Frage aller Fragen: Warum? Sie braucht keine politische Alternative für Deutschland, sondern steht vor der größten Herausforderung ihres Lebens und sucht für sich eine Alternative für ein Weiterleben ohne ihr Kind. Der Prozess mag sie vielleicht darin unterstützen, das Geschehene annähernd begreifbar zu machen. Der Mörder wird ins Gefängnis kommen. Doch was dann?
 
Die Politik – welcher Couleur auch immer-wird auf die ewig quälende Warum-Frage keine Antworten liefern können. Heute nicht und in Zukunft auch nicht. Egal, wie laut ihre Vertreter schreien und egal, woher die Täter letztlich stammen.
 

„Liebe ist das einzige, was von uns übrig bleibt, wenn wir nicht mehr da sind.“
Andreas Tenzer


Bildnachweis: https://www.pexels.com/ (lizenzfrei)

 

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