Mehr erotische Einblicke als Barthaare

Dinnershow im „Crazy Palace“ vom 16.12.2016

Auf diesen treffenden Nenner brachte es gestern Sören Anders, Gastgeber der Dinnershow „Crazy Palace“. Als inoffizieller Star des Abends galt am Schluss nämlich einstimmig der siebzehnjährige L., den die impulsive Moderatorin „Chantall“  gleich zu Beginn erwählte, um ihr bei ihren Showeinlagen zu assistieren. All das unter ihrem persönlichen Schutz. Hierfür sorgte sie bei ihrer Peitschennummer mit Schutzweste, Schutzhelm und Schutzhandschuhen auch gründlich vor. So war L. am Ende dieses Kunststücks durch die Peitschenschläge eben nicht einen Kopf kürzer sondern nur eine Kerze kürzer gemacht worden.

Überhaupt war ab diesem Zeitpunkt klar, dass der Wind heute aus einer anderen Richtung weht. Das signalisierte auch Chantall von Beginn an unmissverständlich mit ihrem Outfit in Lack und Leder.

Mit ihren Reizen geizten auch die Showgirls nicht, die mit ihren farbenfrohen Kostümen und Accessoires brasilianisches Flair in das Rund brachten. Das sich anschließende Duo Minosav schaffte in Sekundenschnelle das, wofür Top Models auf den Laufstegen dieser Welt hektische Umziehmarathons in Kauf nehmen müssen, um den Ansprüchen namhafter Designer gerecht zu werden und im Modezirkus im Allgemeinen bestehen zu können. Mit unsagbarer Leichtigkeit und atemberaubendem Tempo präsentierte das Duo im „Quick-Change“-Modus seinen gut gefüllten und geschmackvollen Kleiderschrank.

Glamouröse Akrobatik am kristallbesetzten Kronleuchter, spektakuläre Verbiegungen, die einem schon beim Zusehen die Bandscheiben aus dem Kreuz springen lassen wechselten sich ab mit außergewöhnlichem Klamauk und gekonnter Artistik am olympischen Rhönrad. Dazwischen liess der Meister der Kochkunst dem Publikum genug Zeit, um seine raffinierten Kreationen zu genießen. Vom ersten bis zum letzten Gang verwöhnte uns Sören Anders mit extravaganten Gerichten, die nicht nur einmal zu Geschmacksexplosionen im Mund führten. Immer begleitet von den Saxophonklängen Myron Millers, der es verstand, sich unaufdringlich aber doch melodisch und brillant Gehör zu verschaffen.

Ein weiterer erwähnenswerter Höhepunkt kam aus dem Reich der Mitte. Yang Huang benötigte für ihre Präsentation nur ein paar schlappe Meter eines durchhängenden Seils, auf dem sie mit schlafwandlerischer Sicherheit ging, sprang, turnte und mit ihrem Einrad im Handbetrieb mal eben auf dem 12 Millimeter dünnen Stahl eine Strecke zurücklegte, die manch einer sitzend noch nicht mal auf ebener Erde schafft.

 

Schließlich platzierte sie noch lässig eine Leiter auf das unruhige Schlappseil, auf der sie einer Aufwärmübung gleich mal eben noch erfolgreich den Handstand probte. Der Anblick war übersinnlich und Teilen des Publikums blieb der Mund offen stehen. Jedenfalls so lange, bis sie der Durst überkam und sie den Höhepunkt der Faszination am scheinbar Unmöglichen erleichtert mit  einem kräftigen Schluck Wein hinunter spülen konnten.

Sichtlich gelöster und heiterer wurde es, als der siebzehnjährige Assistent L. aus dem Lack- und Ledermilieu erneut zur Arbeit gerufen wurde. Chantall bat ihn zunächst, auf einer Bierkiste Platz zu nehmen, was für einen Jungen in seinem Alter wohl eine der leichtesten Übungen sein sollte. Aber nur, um ihn von dort aus gleich aufs Kreuz zu legen und seinen Kopf auf ein plüschig rotes Kopfkissen in Herzform zu betten. Breitbeinig bot sie dann dem sichtlich überraschten L. kaum vermeidbare Einblicke unter ihr luftiges Kleid, als sie ihre bevorstehende Nummer über seinem Kopf thronend wortreich und gespickt mit allerlei der Situation geschuldeten Wortspielereien ankündigte. Dem Armen klemmte der Stift… zwischen den Zähnen nämlich. Darauf platziert war eine Zigarette, die ihm Chantall nun durch akrobatische Verbiegungskunst rückwärtsgewandt mit ihrem Mund vom Ständer zu nehmen gedachte. Das Gejohle im Publikum wuchs. Ob da einer mit dem Jungen tauschen wollte? Oder ob aus Mitleid mit dem nervösen Kerl, der gar nicht mehr wusste, wohin er seinen Blick richten sollte. Der Herr wird ihn nicht mit Blindheit gestraft haben, auch wenn er sich das vielleicht von Herzen gewünscht hat. Der Schluss ist schnell erzählt: Chantall erreichte ihr Ziel mühelos und machte L. damit gleichzeitig zum ungewollten Star des Abends, der von dieser Nummer seinen Kumpels noch lange erzählen wird.

Unvergessen war dieser Abend auf alle Fälle. Bunt, unterhaltsam, prickelnd und ein gastronomisches Erlebnis, das – zusammen genommen – seinesgleichen sucht. Zumindest in unserer Region. Ein launiger Abend, der allen zu empfehlen ist, für die außergewöhnliche Kochkunst tatsächlich etwas mit Kunst zu tun hat und diese auch abseits der klassischen Unterhaltungsshows gut kombiniert genießen möchten.

Da bleiben Mikrofonausfälle -wie auch hier geschehen – doch eher Nebensache. Wen juckt´s, wenn der Gasherd erst nach dem zweiten oder dritten Zündversuch anspringt. Dem Gericht schadet das am Ende auch nicht.


Bildnachweise: Daniel Bär, Fotoaufnahmen mit freundlicher Genehmigung durch den Veranstalter am 16.12.2016

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