Magsch e Guudsele?

Die Kommunikation stellt uns seit unserem Umzug vor 3 Jahren von Flensburg in die badische Gemeinde Graben-Neudorf immer wieder vor große Herausforderungen. Die hiesige Gemeindebibliothek war einer der ersten Anlaufpunkte für uns Neubürger. Unsere damals 4-jährige Tochter lieh schon immer gerne Bücher aus. Hier ließ sich diese lieb gewonnene Gewohnheit quasi nahtlos fortsetzen. Was lag also näher,  die Bibliothek aufzusuchen, um im gut sortierten Fundus zu stöbern.  Der Empfang ist immer sehr herzlich, und die Gemeinde freut sich über jeden neu gewonnenen Leser oder neu gewonnene Leserin.

So auch in diesem Fall. Mit der Beute ging es schließlich zum Tresen, und die Begeisterung über das frisch zugezogene Mädchen aus dem hohen Norden gipfelte letztlich in der erwartungsvollen Frage des Bibliotheks-Angestellten: „Magsch e Guudsele*?“

Unsere Tochter verzog keine Miene. Sie fühlte sich überhaupt nicht angesprochen und machte keine Anstalten irgendeiner Rückmeldung. Das Lächeln des „Guudsele-Fragers“ blieb standhaft. Die Ignoranz unserer Tochter auch. Der Grund? Sie verstand einfach nicht, was der Mann zu ihr sagte. Den Ausdruck „Guudsele“ hatte sie noch nie in ihrem Leben gehört. Was sollte das also schon sein? Genauso gut hätte er fragen können, wie die Hauptstadt von Indien ist. Meine Frau, in der sprachlichen Auseinandersetzung mit dem örtlichen Dialekt mittlerweile schon etwas versierter, übersetzte nicht ohne Stolz: „Der Mann fragt, ob Du ein Bonbon möchtest?“ DAS hat sie sofort verstanden, und über das ganze Gesicht erstrahlte ein Leuchten, das der Bonbon-Schenker mit einer Mischung aus großer Erleichterung und Freude aufgenommen haben muss. So ist das „Guudsele“ für unsere Tochter als eines der ersten „Fremdwörter“ zu einer auf dem direkten Weg ins Gehirn abgespeicherten Vokabel geworden, die man in kein Vokabelbuch schreiben muss, weil man sich dieses Wort so verdammt schlecht merken kann. Da gibt es deutlich verzwicktere Wortschöpfungen. Aber das ist eine andere Geschichte…


Bildnachweis: © Daniel Bär
*nach Langenscheidt „Badisch für Anfänger“

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