INEXIO: „Gewerblich ist seriöser“- Breitbandausbau in Graben-Neudorf

Informationsveranstaltung zum Breitbandausbau in Graben-Neudorf

Bei dem Satz aus dem Munde der INEXIO-Vertrieblerin dürfte sich so mancher Graben-Neudorfer Endkunde gewaltig auf den Schlips getreten gefühlt haben. Darüber täuschte auch das aufkommende Gelächter bei der Informationsveranstaltung im Pfarrzentrum Don Bosco nicht hinweg. Ragnar Watteroth von der BLK (Breitbandkabel Landkreis Karlsruhe GmbH) relativierte später den Versprecher und ersetzte „seriöser“ mit dem Begriff „individueller“. 

Bürgermeister Christian Eheim hingegen gelang es gut, die unterschiedlichen Fragestellungen und Interessen zu moderieren und die Diskussion in geordneten Bahnen zu leiten. So  gab es von Seiten der Bürgerinnen und Bürger viele Fragen, die teilweise nur sehr individuell zu beantworten waren. Der Bürgermeister bot sich in diesen Fällen immer als persönlicher Gesprächspartner im Nachgang zur Veranstaltung an und verhinderte so endlose Diskussionen, die dem allgemeinen Informationsbedürfnis zuwider liefen.

Hintergründe zur Entscheidung zum Breitbandausbau

Herr Eheim erläuterte im Vorfeld die Hintergründe des Netzaufbaus. Zugrunde lag die jahrelange vehemente Weigerung der großen Telekommunikationsanbieter, allen voran der Telekom, den Ausbau des schnellen Internets in Graben-Neudorf voran zu treiben. Dort sieht man bis heute dazu keine Veranlassung, obwohl der Ortsteil Neudorf breitbandmäßig mittlerweile zu den Schlusslichtern der Kommunen in Baden-Württemberg gehört. Auch um den gewerblichen Standort Graben-Neudorf für die Zukunft zu rüsten, sind schnelle Breitbandanschlüsse unverzichtbar. Vom Ausbau der schnellen Internet profitieren letztlich alle Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde. Das Hochgeschwindigkeitsnetz macht die Gemeinde auch als Wohnort attraktiver. Aktuell wissen wir von unserer „Holzleitung“ alle ein Lied zu singen.




Bürgermeister Eheim - Breitbandausbau

Die Versorgung mit Leerrohren für FTTB-Anschlüsse

Klaus Kaiser von der NetzeBW erläuterte in seinem Vortrag die technische Seite des Ausbaus. Dabei betonte er, dass die NetzeBW ausschließlich für die Verlegung der Leerrohre verantwortlich zeichnet, die die Glasfaser letztlich ins Haus bringen soll. Dieser Anschluss nennt sich FTTB (Fibre-to the-building) und steht auf Wunsch zunächst nur den Haushalten zur Verfügung, die direkt an der gelb markierten Strecke liegen (s. Titelfoto). Dort werden für die Versorgung der Vermittlungsstellen (PoP) die Gehwege aufgebuddelt. Hier profitieren die an dieser Wegstrecke gelegenen Grundstücke von der Möglichkeit, sich die Glasfaser direkt ins Haus legen zu lassen. Dies ermöglicht später nicht nur Geschwindigkeiten von bis zu 200.000 bit/s,  sondern wertet auch die eigene Immobilie auf. Immer wieder kam die Frage auf, ob mit der Verlegung des TK-Leerrohres auch gleich das Glasfaserkabel mit verlegt wird. Da Herr Kaiser immer wieder erwähnte, dass die NetzeBW nur für die bauliche Verlegung des Leerrohres verantwortlich ist, führte dies im Auditorium zu Irritationen. Da half es wenig, dass Herr Kaiser in diesen Situationen sein Mikro gerne an Herrn Eheim weiterreichte, um hier nicht antworten zu müssen.

Beispiel: Verlegung des TK – Leerohres mit Glasfaserkabel in der Wendelinusstrasse

An dieser Stelle kann ich nur aus meiner eigenen Erfahrung als Anwohner der Wendelinusstrasse berichten. Mit Beauftragung der Baumaßnahme für das Leerrohr wurde dieses zusammen mit dem Glasfaser verlegt und die Leitung in den Keller eingebracht. Es macht wenig Sinn, den Gehweg aufzureißen, ein Leerrohr durch den Vorgarten zu legen, um die Glasfaser dann unter dem Gehweg am Grundstück vorbei zu legen, nur, um ein halbes Jahr später erneut den Gehweg aufzubuddeln, um das letzte Stück Glasfaserkabel durch das Leerrohr im Vorgarten zu schießen (?) Auch wenn dies durch den Vortrag von Herrn Kaiser vielleicht nicht ganz deutlich wurde: Meine eigene Erfahrung und durch Beobachtung der Baumaßnahmen in der Wendelinusstrasse war die, dass mit der Verlegung des Leerrohres gleichzeitig das Glasfaserkabel von der Strasse ins Haus verlegt wurde. Alles anderer wäre aus meiner Sicht unlogisch und nur mit weiterem Aufwand und Kosten verbunden. Als der Gehweg vor unserem Haus aufgegraben wurde, habe ich das direkte Gespräch mit den Arbeitern gesucht. Dort lagen die Verlegepläne für die beauftragten Leerrohre vor. Es wurde dann vor Ort abgestimmt, an welcher Stelle das Kabel ins Haus eingebracht werden soll. Alles funktionierte hervorragend, problemlos und schnell. Jetzt warten wir nur noch auf das „Go“ zur Schaltung. Dann sind wir im Datenhimmel angekommen 😀.

Was bedeutet FTTC ?

Der FTTB-Anschluss ist im Ortsteil Neudorf derzeit für 258 Grundstücke vorgesehen. Die restlichen Haushalte profitieren dennoch von höheren Durchsatzraten, auch wenn das letzte Stück Kabel aus Kupfer besteht. Diese Verbindung wird als FTTC (Fibre-to-the-curb) bezeichnet. Damit ist gemeint, dass die Glasfaser an den Kabelverzweigern (auf der Karte mit gelben Fähnchen markiert) endet und von dort die bestehenden Kupferleitungen in das Gebäude genutzt werden, um die schnelleren Geschwindigkeiten in die Haushalte zu bringen. Voraussetzung ist ein Anbieterwechsel zu INEXIO. Als Faustregel für die Geschwindigkeitsausbeute nannte Frau Kiefer folgende Eckdaten für den Datendurchsatz, abhängig von der Entfernung zum Kabelverzweiger:

  • bis 100 Meter: 100 mbit/s
  • bis 500 Meter: 50 mbit/s
  • bis 1 km: 25 mbit/s

 

Breitbandinfrastruktur

Tarife

Frau Kiefer ging in ihrem Vortrag nur auf die privaten Tarife für FTTC ein, die sich leistungsmäßig und preismäßig vom FTTB-Anschluss unterscheiden.  Wem der Vortrag zu laut oder zu schnell war, findet weitere Infos auf der Webseite von myquix.

Wettbewerb / OpenAccess

Kunden, die ihren Anschluss z.B. bei der Telekom oder 1und1 haben, profitieren nur dann vom schnellen Internet, wenn sie zu INEXIO wechseln. Befürchtungen, INEXIO könnte sich in Graben-Neudorf eine Monopolstellung verschaffen, räumte Christian Eheim umgehend aus. Zum einen, weil die Gemeinde Graben-Neudorf Eigentümer des Netzes ist und der Betreibervertrag mit INEXIO auf 15 Jahre befristet ist – danach wird neu ausgeschrieben. Zum anderen, weil nach den gesetzlichen Richtlinien externe Unternehmen jederzeit das Recht haben, auf das Glasfasernetz der INEXIO aufzuspringen, um dort eigene Tarife zu vermarkten. Hierüber wurde z.B. auch die Telekom informiert, die allerdings eine Blockadehaltung einnimmt und sich weigert, mit INEXIO zu kooperieren. Bürgermeister Eheim äußerte auch deutlich seinen Unmut über die Politik der Telekom, die die Kommune jahrelang „im Stich gelassen“ hat und jetzt blockiert. Aufgrund der Verweigerungshaltung hat die BLK GmbH Beschwerde bei der Bundesnetzagentur eingereicht. 

Der Druck auf die etablierten Anbieter wächst

Dennoch bleibt mit dem Ausbau der Netze der Optimismus bestehen, dass sich die großen Konzerne besinnen und die Notwendigkeit erkennen, dass der eigene wirtschaftliche Erfolg am Hochgeschwindigkeitsnetz nicht vorbeiführen wird. Momentan gibt es jedenfalls noch keinen Telekommunikationsdienstleister, der auf das Netz der INEXIO gegangen ist. Der Netzbetreiber gibt sich gleichwohl offen für jegliche Kooperation mit interessierten Unternehmen. Letzten Endes werden die Kunden mit ihrem Wechsel zu INEXIO den Druck auf die etablierten Konzerne erhöhen, die ihre Nachlässigkeit beim Ausbau ihres Netzes mit dem Verlust von mehr und mehr Kunden bezahlen werden. 

Dokumentation

Die Gemeinde Graben-Neudorf informiert laufend über die fortschreitenden Baumaßnahmen auf ihrer Internetsetseite.  Dort finden sich auch interaktive Karten zum Baufortschritt und eine FAQ-Seite, auf der die am häufigsten gestellten Fragen (Frequently Asked Questions) beantwortet werden.


Fotos: © Daniel Bär



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