3 Gründe warum Handwerker pleite gehen

Vertrauen ist gut…

Wer meinen Artikel „4 Gründe warum Bauträger pleite gehen“  liest, bekommt einen Einblick in die Abhängigkeiten, in die sich Handwerksbetriebe UND Bauträger voneinander begeben. Wer zum Bau seines Hauses ein Generalunternehmen beauftragt, hat keinen Einfluss darauf, welcher Handwerksbetrieb die Fliesen in seinem Bad verlegt. Am Ende soll das Eigenheim fix und fertig zum Einzug bereit stehen. Mängelfrei – versteht sich. Geht während der Bauphase ein Handwerksunternehmen in die Insolvenz, ist das nicht nur für den Betrieb eine Katastrophe, sondern für den Bauträger  auch, weil es das Bauen schnell verteuert. Im schlimmsten Fall trifft es den Bauherrn selbst. Nämlich dann, wenn auch der Bauträger seine Liquiditätsgrenze erreicht hat. In diesem Fall hat sich der Generalunternehmer schlichtweg verkalkuliert. Mögliche Risiken hat er außer Acht gelassen, um z.B. einen Wettbewerber aus dem Markt zu drängen.

Wie aber können sich Handwerker davor schützen, dubiosen Bauträgern aufzusitzen oder einen Forderungsausfall bei privaten Auftraggebern vermeiden? Denn das ist einer der Gründe, die einem Handwerksbetrieb schnell das Genick brechen können:

  • Blindes Vertrauen in unseriöse Auftraggeber.  Sie steigen aus Ihren PS starken Autos und stellen den Handwerkern meist in wohlklingenden Worten gute Gewinne in Aussicht. Freilich müssen alle Materialien vom Betrieb vorfinanziert werden, aber bei so einem großen Auftrag winkt ja am Ende ein satter Gewinn. Außerdem sei mit vielen Folgeaufträgen zu rechnen.

Ein erfahrener Handwerksmeister mag sich hiervon wahrscheinlich nicht blenden lassen. Er wird mit dem Auftraggeber angemessene Abschlagszahlungen auf seine Materialeinkäufe vereinbaren. Viele andere lassen sich davon beeindrucken und führen pflichtbewusst ihre Arbeiten auf der Baustelle bis zu Ende durch, obwohl noch keine einzige Rechnung bezahlt wurde. Auftraggeber führen meist fadenscheinige Argumente ins Feld. Die beliebteste Ausrede sind angebliche Mängel, die zuerst beseitigt werden müssen. Vorher gibt es kein Geld. „Auch nicht ein bisschen für den mängelfreien Teil?“ „Nein.“ Gleich dahinter kommt (bei Bauträgern) das Bitten um Verständnis dafür, dass der Kunde des Bauträgers dessen Rechnung ebenfalls noch nicht bezahlt hat.

Damit wird der Handwerksbetrieb zum Kreditinstitut seines Auftraggebers zu sagenhaften 0,00% Kreditzins. Spätestens jetzt sollten die Alarmglocken schrillen.

TOP3 ist der Verweis auf -tatsächlich oder vermeintlich- vorliegende vertragliche Vereinbarungen, dass Zahlungen erst nach Abschluss der Arbeiten und mängelfreier Übergabe erfolgen. Alle Punkte können einen Handwerksbetrieb, der finanziell noch nicht ganz gefestigt ist, schnell in Nöte bringen.  Besonders dann, wenn deren Lieferanten auf Vorauskasse bestehen. Gerade Betriebe, die noch sehr jung sind, werden häufig Opfer solcher Machenschaften. Mancher Bauträger nutzt die Unerfahrenheit dieser Betriebe schamlos aus. Es sind meist die engagierten Neugründer, die jeden Umsatzeuro für ein gesundes Wachstum brauchen. Sie wollen sich schließlich langfristig am Markt etablieren. Das Risikobewusstsein ist noch nicht so ausgeprägt oder wird bewusst ausgeblendet, um sich die Chance auf gute Aufträge nicht zu verbauen. Zusammengefasst sind es 3 Gründe warum Handwerker pleite gehen.


  1. Blindes Vertrauen in die gute Zahlungsmoral der Auftraggeber 

Das Vertrauen der Handwerksbetriebe in ihre Kunden ist enorm, fast schon beängstigend. Finanziell gut gepolsterte Betriebe haben wenig Probleme bei der Vorfinanzierung ihrer Materialien. Langjährige Geschäftsbeziehungen und damit gewachsenes Vertrauen bei ihren Lieferanten bieten den Betrieben bei Zahlungszielen viel Spielraum. Viele Auftraggeber wissen das und gewinnen ihrerseits viel Zeit, wenn es an die Bezahlung der Handwerker geht. Aber nicht jeder Auftraggeber ist so vertrauenswürdig. Hier hilft die Informationsbeschaffung über öffentlich zugängliche Quellen wie z.B. den  elektronischen Bundesanzeiger (s. auch „4 Gründe warum Bauträger pleite gehen“) oder Bonitätsauskünfte gängiger Wirtschaftsauskunfteien. Dort können Handwerksbetriebe prüfen, ob ihr privater oder gewerblicher Auftraggeber bei anderen Kreditoren oder Lieferanten bereits wegen  Zahlungsstörungen aufgefallen ist.
  

Bonitätsauskunft Creditreform
Bonitätsauskunft Boniversum Privatperson (Beispiel)

      2. Mangelnde kaufmännische Liquiditätsplanung

Grundregel: Realisiere deine eigenen Forderungen schnell und zahle selbst spät (natürlich nicht zu spät!)

Schnell realisieren bedeutet: eigene Rechnungen schnell schreiben und ein kurzes, mit einem Kalenderdatum festgelegtes Zahlungsziel setzen (ca. 1 Woche).

Erfolgt kein Zahlungseingang:
– Schnelle nicht nummerierte Mahnung unter erneuter Fristsetzung (ca. 1 Woche) → anrufen
– Eventuell: letzte Mahnung unter Androhung von Inkasso

    3. nicht vom Auftraggeber schriftlich bestätigte Zusatzarbeiten

Schnell hier nochmal eine Steckdose legen. Kurz hier noch mal die Wand streichen. Eben hier noch mal Fliesen verlegen.Zusatzarbeiten, die dem Handwerker während der Bauphase gerne mal zugerufen werden, die aber nicht Bestandteil des ursprünglichen Auftrags waren. Um später Streit um teure Extras zu vermeiden, ist der Handwerker gut beraten, sich diese Zusatzarbeiten schriftlich bestätigen zu lassen.

Welche Erfahrungen habt Ihr schon gemacht? Was sagen die Handwerksmeister unter Euch?


Bildnachweis: lizenzfrei unter www.pexels.com

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