EGON- Wind, Brise, Sturm oder Orkan?

Sturmerprobte Norddeutsche haut so schnell nix um. Oft können wir nur müde lächeln, wenn eine kräftige Brise durch Graben-Neudorf fegt und um uns herum alle vom Sturm oder gar vom Orkan sprechen. Wir fragen uns dann, wie es die Graben-Neudorfer nennen, wenn wirklich mal ein Orkan losbricht.

Letzte Nacht allerdings hatte es in sich. So gegen 3.00 Uhr war es draußen ziemlich ungemütlich, und ich fühlte mich plötzlich in meine alte norddeutsche Wahlheimat versetzt. Für hiesige Verhältnisse schon ungewöhnlich. Mein Schlaf ist mir heilig. Kurz entschlossen stopfte ich mir zwei Ohrstöpsel in die Gehörgänge, so dass ich nur noch ein leichtes Rauschen vernahm und wieder sanft wegschlummerte. So bekam ich nicht mehr mit, dass um mich herum rege Geschäftigkeit aufkam. Während unsere siebenjährige Tochter aufrecht im Bett saß, weil der Sturm sie geweckt hatte, stürzte meine Frau in den Garten, um nach dem Rechten zu sehen. Den großen -sehr großen- Stein, der unsere immer noch sanierungsbedürftige Welldachplatte unseres Balkons im ersten Obergeschoß beschweren sollte- damit sie im Wind nicht so laut klappert (ha,ha) –  fand sie zu ihren Füßen auf der Terrasse wieder. Gott sei Dank war der Stein schon früher unterwegs als sie. Spielzeug, mit dem man im Sommer so eine Art Klettball-Tennis spielen kann und das seit Wochen achtlos auf einem Holztisch unter der Terrasse im Garten lag, machte sich selbständig und fand so plötzlich seine Beachtung wieder. Der bereits abgewrackte Weihnachtsbaum im Vorgarten flog nur deshalb nicht über den Jägerzaun auf die Straße, weil sich sein Stamm im Zaun verkeilte und so doch noch den letzten Halt in seinem ohnehin kurzen Leben fand. Unser Weihnachts-Porzellan-Elch mit Teelicht-Laterne, der auf der Eingangstreppe vor der Haustür seine Bestimmung gefunden hat, war nur dank meiner sturmerprobten Flensburger Gattin seinem sicheren Scherbentod entkommen. Rund eine Stunde war sie zugange, bis sie sämtliches bewegliches Eigentum sturmsicher verstaut hatte. Pflanzen, Töpfe, Keramiken, Dinge, von denen ich gar nicht wusste, dass sie überhaupt existieren, wurden so gerettet.

Gegen 4.00 Uhr begann dann auch für sie die Fortsetzung der relativen Nachtruhe, während ich von alledem nichts mitbekommen hatte. Sie hatte mich dankenswerter Weise schlafen lassen. Als sie sich gerade wieder ins Bett gekuschelt hatte, da meldete sich der Feuermelder aus dem Zimmer unserer Tochter und verlangte seinerseits Beachtung im Hinblick auf seine Energiezufuhr. Ihm entfuhr in störrischer Unregelmäßigkeit ein quäkendes Piepen als bettelte ein Küken einsam aus einer dunklen Ecke um die Aufmerksamkeit seiner Mutter Henne. In diesem Fall hatte hauchte aber nur die Batterie gerade ihr Leben aus. Also gut, dann eben das auch noch.

Der Rest der Nacht – wie für mich auch die Zeit vor und nach 4.00 Uhr – verlief unspektakulär bis mich um 5:45 Uhr ein leise Piepen sanft  aus meinen Träumen hob. Mein Wecker? Ach ja, die Ohrstöpsel. War doch nix passiert heute Nacht, oder?

Als ich um kurz vor sieben das Haus verließ, schien es aber doch so, als hätte uns im Ort ein ausgewachsener Sturm heimgesucht. Um die Ecke, da wo in der Wendelinusstrasse die beiden Neubauten stehen, lag der Baustellenzaun praktisch auf den parkenden Autos am Straßenrand. Ärgerlich. Aber die Hilfe war  nicht weit, denn schon kurz darauf begutachtete die Feuerwehr in Mannschaftsstärke und drei! Einsatzwagen die Lage am Ort des Geschehens. Was ich daraus schließe? Wenn meine norddeutsche Frau sich zu nachtschlafender Zeit auf den Weg in den Garten macht, weil der Wind draußen hörbare Geräusche macht, DANN – ja DANN ist wirklich Sturm in Graben-Neudorf.

Die Feuerwehr checkt die Lage

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