Crash am Sonntagmorgen

 

03.07.2016: Sonntagmorgen. Ein kurzes Reifenquietschen, ein kräftiger dumpfer Schlag, zerberstendes Glas! Wach!!! Wir machen einen Satz aus unseren Betten, stürzen zum Fenster, reißen den Rollladen hoch und sehen, wie die Fahrerin, eine junge Frau offensichtlich völlig geschockt und orientierungslos aus der Beifahrertür aussteigt. Zwei Wagen landeten ineinander verkeilt im Baustellenzaun auf der Ecke Wendelinusstrasse / Fröbelstrasse. Für einen kurzen Moment steigt Wasserdampf aus dem Motorraum.

Vom anderen Fahrer war zunächst nichts zu sehen. Dann aber stieg seelenruhig ein unverletzter älterer Mann im fortgeschrittenen Rentenalter aus seinem Fahrzeug. Das Bild der Unfallsituation ließ vermuten, dass der Mann das Auto der vorfahrtberechtigten jungen Frau beim Überqueren der Wendelinusstrasse übersehen haben muss, woraufhin die Fahrerin anscheinend ungebremst in das Auto des Rentners fuhr. Dieser verhielt sich in der Folge unbeeindruckt ob der ganzen Szenerie. Kein Wort zu den Umstehenden,  es war kein Bedauern, auch kein Interesse am Zustand der jungen Frau zu erkennen.

Ein Anruf beim Rettungsdienst und der Polizei, da hielten auch schon die ersten Passanten. Schlimmere Verletzungen konnten auf den ersten Blick Gott sei Dank ausgeschlossen werden. Meine Frau kümmerte sich zusammen mit einer weiteren Passantin, die das Unfallgeschehen offenbar beobachtet hatte, um die sichtlich geschockte Fahrerin, und versuchten, beruhigend auf sie einzuwirken. Einen gänzlich unbeteiligten Eindruck machte der Fahrer des Vorfahrt nehmenden Fahrzeugs und wohnte dem Geschehen einfach bei.

Ein vom Knall des Zusammenstoßes geweckter Anwohner und Mitglied der örtlichen Feuerwehr, machte sich wohl ebenfalls sofort zur Unfallstelle auf und koordinierte ruhig und schnell die weiteren Maßnahmen.

Der Rettungswagen, der eine gefühlte Ewigkeit später aus dem Norden der Wendelinusstrasse endlich an der Unfallstelle eintraf, musste noch kurzfristig das Notsignal einschalten. Grund war ein uneinsichtiger Radfahrer mit Hund, der unvermittelt im Kreuzungsbereich die Zufahrt zum Unfallopfer blockierte, um den helfenden Feuerwehrmann über das Tragen von Rettungswesten zu belehren, wie uns dieser später erzählte.

Die am Crash beteiligten Fahrer waren am Ende schnell versorgt, auch wenn zwischenzeitlich noch einmal die Emotionen im familiären Umfeld der geschockten jungen Fahrerin hochkochten. Erwähnenswert ist vielleicht die lautstarke und vorwurfsvolle Fokussierung des am Unfallort eintreffenden Vaters des Mädchens zunächst auf die Sachlage (Zustand des Fahrzeugs) und die Rechtslage (Schuldfrage). Erst die viel später eintreffende Mutter wandte sich ihrer Tochter in angemessener Weise tröstend zu.

Crash

Zurück zu unserem Radfahrer. Dieser passierte kurze Zeit später erneut mit seinem Hund die Kreuzung. Dieses Mal fuhr er  in die entgegengesetzte Richtung nach Norden – praktisch dem Gegenverkehr ins Auge blickend.

Und hier beginnt das eigentliche Problem: seit unserem Einzug in die Wendelinusstrasse im August 2015 beobachten wir, wie immer wieder Radfahrer – auch im Seniorenalter- ungeachtet des Verkehrs, die Wendelinusstrasse geradewegs auf der Seite befahren, die ihnen am bequemsten erscheint. Hinweise darauf werden gekonnt ignoriert. Dies führt oft zu skurrilen Situationen, da sich das Verhalten der „Geister-(Rad)-fahrer“ in Richtungs- und Spurenwechsel kaum vorhersagen lässt. Abbiegende Autofahrer rechnen darüber hinaus nicht mit dem Radverkehr von der falschen Seite.

Sicherlich sind die Fahrbahnen der Wendelinusstrasse außergewöhnlich breit, um sich im Notfall auszuweichen. Das kann aber keine Rechtfertigung für das verkehrswidrige Verhalten einiger Unbeirrbarer sein. Denn gerade die breiten Fahrbahnen – und damit komme ich schon auf nächste Problem zu sprechen – tragen dazu bei, dass beispielsweise ortsfremde Verkehrsteilnehmer gar nicht wissen können, dass diese jeweils nur nach einer Richtung befahren werden dürfen. Nicht nur einmal bin ich Autofahrern begegnet, die von der Bruchsalerstrasse kommend bereits auf Höhe der Sparkasse fälschlicherweise in die Wendelinusstrasse abgebogen sind.

Mit dem Bau der neuen Wohnungen in der Wendelinusstrasse und dem Einzug von 20 weiteren Haushalten, wird sich das Verkehrsaufkommen an dieser Ecke eher noch erhöhen und damit das Risiko weiterer Unfälle steigen. Die beiden Zufahrten zu den Tiefgaragenplätzen verlaufen nämlich über die Wendelinusstrasse und über die Fröbelstraße.

Ein weiterer nicht zu vernachlässigender Faktor ist, dass die breiten Fahrbahnen dazu verführen, deutlich schneller als die erlaubten 30 km/h zu fahren.

Hinweisschilder zur Geschwindigkeitsbegrenzung fehlen ebenso, wie eindeutige Einfahrtverbotsschilder entgegen der Fahrtrichtung. Alternativ und möglicherweise eine günstigere Lösung als Verkehrszeichen sind deutliche Markierungen auf den Fahrbahnen, die zum Einen die Fahrtrichtung kenntlich machen und zum anderen die Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h optisch hervorheben. Wer von der Bruchsalerstrasse kommend in die Wendelinusstrasse abbiegt, hat spätestens an der Kreuzung Friedensstrasse vergessen, dass er eigentlich nur 30 km/h fahren durfte.

Um die Fahrbahn optisch zu verkleinern, wäre alternativ auch die Markierung eines Radweges am rechten Fahrbahnrand denkbar – natürlich auch mit Anzeige der Fahrtrichtung in Form von Markierungen.

Angesichts des steigenden Verkehrsaufkommens durch den Bau von 20 neuen Wohnungen, den häufig viel zu schnell fahrenden Autos und der Nähe zu Kindergarten und Schule, halte ich die Diskussion um Maßnahmen zur Erhöhung der Sicherheit im Bereich der Wendelinusstrasse für dringend geboten.


Bildnachweis: Alle Fotos von Daniel Bär (c)

 

0 comments

  1. Mike - Antworten

    Bauen wir doch einfach den Mittelstreifen mit Häusern zu und machen nur noch eine Fahrbahn!! 30er Bodenmarkierungen kann man innerhalb von 2h anbringen!!
    Wie soll das Verkehrsaufkommen erst werden wenn der Festplatz endlich zum Bauland wird!!!

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