Boxen in Rheinstetten – Feigenbutz vs. Nemesapati

ABC – Prominenz

Ulli Wegner in Rheinstetten

Wer Pietro Lombardi (DSDS-Gewinner 2011 ) zur Top-Prominenz zählen möchte, dem sei das selbst überlassen. Als Karlsruher unterstützte er jedenfalls bei der gestrigen Boxnacht  Vincent Feigenbutz, was besonders im Publikum seiner Altersgruppe gut ankam.  An Prominenz fehlte es in der Ufgauhalle in Rheinstetten  nicht. „Mr. Fackelmann“ Axel Schulz gab sich ebenso die Ehre, wie Tatort-Schauspielerin Simone Thomalla und Sven Martinek. Boxlegende Ulli Wegner steht als Figur im Boxzirkus für sich selbst. Bis heute ist sich der Ausnahmetrainer nicht zu schade, in den Ringpausen selbst zum Handtuch zu greifen, um seinem Schützling Frischluft zuzuwedeln. Boxprofi Jürgen Brähmer, mittlerweile auch als Trainer aktiv, war mit der neuen Boxhoffnung Denis Radovan am Start.

Das Catering

Ich würde mich selbst nicht als Boxexperten bezeichnen, wohl aber am Boxen interessiert, was Grund genug war, mich am späten Nachmittag zusammen mit Kerstin auf den Weg nach Rheinstetten zu machen. Hätten wir gewusst, welcher Boxmarathon uns von sechs Uhr bis halb zwölf erwartet, wären wir vorher gepflegt Essen gegangen, statt um halb acht in eine halbgare, lauwarme Bratwurst zu beißen und ein warmes Bier dazu zu trinken. Das nächste Mal werden wie schlauer sein. Bei einer mehr als fünfstündigen „INTERNATIONALEN BOXGALA“ ist mehr Professionalität zu erwarten. Da entsprechen überteuerte belegte Wurstbrötchen oder Schnitzelweck nicht dem „galamäßigen“ Rahmen.  Das erinnerte mehr an ein sonntägliches Handball-Jugendturnier im Landkreis – nur eben preislich dem Anlass angemessen. Sorry, liebe Organisatoren, aber in puncto Catering habt Ihr noch Nachholbedarf. 



Der Boxmarathon

Axel Schulz in Rheinstetten

Die zu erwartende Qualität der ersten Ringbegegnungen spiegelte sich am Publikumsinteresse wider. Die leeren Stuhlreihen machten das Event allerdings nicht weniger interessant. Neun Kämpfe waren angesetzt, bevor der Hauptkampf des Abends die Boxgala beschließen sollte. Wer noch nie beim Boxen war, sollte sich wenigstens einmal die Tortur durch die verschiedenen Vorkämpfe antun, um ein Gefühl dafür zu bekommen, was schlechtes von gutem Boxen unterscheidet. Die Professionalität steigerte sich von Kampf zu Kampf sichtbar. Kampf 1: Der K.O.-Schlag von Markus Fuckner gegen seinen Gegner Mladen Malesevic aus Bosnien-Herzegowina hatte fast etwas Komisches angesichts dessen, was uns beim Hauptkampf erwarten würde. Überraschend schnell landete Malesevic nach einem Faustschlag Fuckners schwer getroffen auf den Brettern. An ein Weitermachen war aus Sicht seines Teams nicht mehr zu denken.

Ahmad Ali – beachtliche Fanbase nach nur vier Kämpfen

Ahmad Ali hat für seine abgelieferten vier Kämpfe schon eine beachtliche und lautstarke Fanbase. Auch Pietro Lombardi outete sich als Fan. Unter großer Anteilnahme gewann er seinen Faustkampf gegen Edis Dzambas aus Bosnien Herzegowina und hinterließ dabei kämpferisch wie persönlich seine sympathische Note. Mit Kampf Nummer 6 stand der erste und einzige WM-Kampf des Abend an: WIBF Superfedergewicht Weltmeisterschaft der Damen.

Bitte erheben Sie sich für die Hymnen!

Wow. Jetzt wird´s aber wirklich profimäßig, dachten wir. Klar, es stand auch ein WM-Kampf bevor. Brav erhoben wir uns von den Stühlen und erwarteten voller Spannung die beiden Hymnen. Griechenland und Dominikanische Republik. Ich war gespannt, ob ich eine der Komposition wieder erkennen würde. Vom Fußball oder so. Wir standen nicht wirklich lange als der Ringsprecher verlauten ließ, dass gar keine Hymnen geliefert worden seien und ein kräftiger Applaus für die Kontrahenten genügen müsse. Große Fragezeichen in den Gesichtern um uns herum. Also nahmen wir eben auf unseren unbequemen Holzstühlen wieder Platz.

War das Boxen oder Frauencatchen?

Bemerkenswert war sicherlich der schrille Rosa-Gold-Glitzer-Boxumhang von Kallia Kourouni, den sie nach Betreten des Rings gekonnt von sich warf. Darunter setzte sich der Glitzer-Style im Boxing-Outfit fort. Im Ring stand das weibliche Pendant zu Mr. Bling-Bling. Weniger spektakulär war das, was nun folgte. Der Fight erinnerte zeitweise mehr ans Frauencatchen der 90er Jahre. Die um einen Kopf kleinere Grecia Nova Mateo (Dom. Republik) stürzte sich in den ersten Runden wie eine entfesselte Furie prügelnd auf ihre griechische Gegnerin. Diese ließ es sich ihrerseits nicht nehmen, auch nach dem Pausengong nachzutreten, indem sie ihrer Kontrahentin auf den Weg in ihre Pausenecke einen Faustschlag auf den Kopf mitgab. Natürlich unter lautstarkem Protest des Publikums. Die klein gewachsene Herausforderin war chancenlos gegen die Griechin mit dem Kampfnamen „Pink Tyson“. Sie verteidigte ihren Titel am Ende souverän.

Brähmers guter Riecher

Ein herausragender Kampf und besonders erwähnenswert war der Fight zwischen dem Brähmer-Schützling Denis Radovan und dem Spanier Francisco Duran. Mit seinem Engagement um den talentierten Boxer hat der Profi Brähmer einen guten Riecher bewiesen. Die Dynamik und die Schnelligkeit von Denis Radovan überragte alle bisherigen Akteure auffallend. Der K.O. des Spaniers war angesichts des Trommelfeuers, das Radovan mit seinen Fäuste ablieferte, die logische Konsequenz.  Diesen Namen sollte man sich unbedingt merken. 

Das Highlight: Feigenbutz vs. Nemesepati

Vincent Feigenbutz Karlsruhe

Gegen 22.30 Uhr war es endlich soweit. Die leeren Stuhlreihen haben sich gefüllt, und das Event steuerte seinem Höhepunkt entgegen. Keine Ahnung, warum ausgerechnet jetzt alle Fenster unter dem Hallendach geschlossen wurden, wo doch die Luft durch die vielen Menschen ohnehin schon zum Schneiden zu war. Angesichts der voran geschrittenen Uhrzeit griff auch die Müdigkeit mehr und mehr um sich. Doch das sollte sich schnell ändern: Norbert Nemesepati, der ersatzweise für den erkrankten Russen Andrej Sirotkin eingesprungen war, sollte sich als ernst zu nehmender Gegner herausstellen. Sowohl Pietro Lombardi als auch Axel Schulz prophezeiten vollmundig einen vorzeitigen K.O. durch den gleichnamigen „Prinzen“ in der neunten bzw. siebten Runde. Hier war wohl der Wunsch Vater des Gedankens. Im Laufe der Kampfes, der über die vollen zwölf Runden ging, ergaben sich sogar Vorteile für den Ungar, der im Übrigen erhebliche Nehmerqualitäten aufwies.

Psychisch und physisch gereift – boxerisch mit Luft nach oben

Obwohl boxerisch gereift, kassierte Vincent die Treffer, die er ins Ziel brachte  ebenso schnell wieder  ein, so dass schwer auszumachen war, wie die Punktrichter die Anzahl der Treffer werten würden. Das Feigenbutz´sche Potential blitzte immer wieder auf, wenn es darum ging, dran zu bleiben, nicht aufzugeben und weiter seine Chancen zu suchen. Dass es mit einem vorzeitigen K.O. nichts werden würde, wurde mit zunehmender Rundenzahl klarer. Dies erhöhte auch das Risiko für Vincent, mehr und mehr den Anschluss zu verlieren. Die Stärke Vincents lag an diesem Abend in seinem Durchhaltewillen, gepaart mit der gewachsenen boxerischen Kompetenz, die aber noch den letzten Schliff vermissen liess. An der Kampfkompetenz wird er noch arbeiten müssen. Mental und physisch wirkte er schon überraschend gestärkt. Vincent Feigenbutz, der in der Vorbereitung zu diesem Kampf in den Bergen Sloweniens von einem Elite-Soldaten gedrillt worden sein soll, machte es spannend bis zum Schluss. Auch nach der zwölften Runde  gab es keine Gewissheit darüber, wer den Kampf gewonnen hatte. Die Spannung löste sich erst als der Ringsprecher die Wertung verkündete:

  • Jörg Milke (Deutschland) wertete den Kampf mit 118:110
  • Serge Hendrice (Belgien) wertete den Kampf mit 116:112
  • Soren Saugmann (Dänemark) wertete den Kampf mit 117:111

Der Sieg geht in Ordnung

Verdienter und einstimmige Sieger des Abends war Vincent Feigenbutz. Im Interview musste er zugeben, dass es ein „hartes Stück Arbeit“ gewesen war. Er bedankte sich bei seinem starken Gegner und seinem Team, um gleich danach seinen Interviewer Matthias Killing (Sky) zu fragen, wie denn die ursprüngliche Frage war. Verziehen. Er war erleichtert und aufgeregt zugleich. Verständlich. Vincent Feigenbutz ist mit seinen 21 Jahren noch sehr jung. Er hat ohne Zweifel boxerisches Talent und das Zeug, ein sehr Großer im Boxsport zu werden. Dafür bedarf es noch mehr „Stücke harter Arbeit“. Gestern bewies er, dass er das notwendige große Kämpferherz in sich trägt. Es wird interessant sein, die weitere Entwicklung des willensstarken Fighters zu beobachten. Ich freue mich jetzt schon auf die nächsten Boxkämpfe mit Vincent Feigenbutz und wünsche ihm für die Zukunft alles Gute! Er ist ein großartiger Sympathieträger für den Boxsport und für unsere Heimatstadt Karlsruhe. 


 Bildnachweis: Daniel Bär

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