Tier-OP-Versicherung: „Barmenia – wollt Ihr mich veräppeln?“

Vorbemerkung




Vorab: Auf dem Titelfoto seht Ihr unsere Amy nach ihrer OP. Sie wurde kastriert. Es geht ihr von Tag zu Tag besser. Solche Operationen werden von OP-Versicherungen in der Regel nicht übernommen. Trotzdem haben wir dies zum Anlass genommen, grundsätzlich darüber nachzudenken, wie sinnvoll der Abschluss einer solchen Versicherung ist.

Im Notfall kaum kalkulierbare hohe Kosten

Wer sein Haustier operieren lassen muss, kann schnell einen vierstelligen Betrag los werden. Wer sich im Freundeskreis umhört, bekommt dazu viele Geschichten geliefert, die das allesamt bestätigen.  Niemand will des Geldes wegen entscheiden müssen, sein Tier sterben lassen zu müssen. Doch welche Alternative bleibt, wenn kein Geld für die lebensrettende Operation vorhanden ist? Aber auch, wenn die Summe notfalls bereit stünde, kann eine Tier-OP ein gewaltiges Loch in die Haushaltskasse reißen. Um dieses finanzielle Risiko für die Zukunft auszuschließen, haben wir uns für den Abschluss eine OP-Versicherung entschieden. Unsere Wahl fiel auf die Barmenia-Versicherung.

Tagessatz = 17,90 € / 30 Tage

Wer einen Betrag von 17,90 € durch 30 Tage teilt, kommt auf ca. 60 Cent pro Tag. So viel sollte eine OP-Versicherung bei der Barmenia kosten. Das sind günstige Konditionen für ordentliche Leistungen. Doch bei der Versicherungsgesellschaft scheinen die Taschenrechner anders programmiert zu sein.  Zugegeben: den Vertrag am 30. eines Monats abzuschließen, mag für eine ansonsten monatsübliche Beitragsberechnung eine Überlegung wert gewesen sein. Dennoch: in der heutigen digitalisierten Zeit, in der sämtliche Prozesse schlanker und schlanker gestaltet werden, sollte ein einfach zu rechnender Dreisatz keine Kundenreklamationen mehr provozieren müssen. 

Zahlung des ersten Beitrages in doppelter Höhe

Mit Übermittlung des SEPA-Lastschriftmandates erfolgte am 05. April prompt die Abbuchung des ersten Beitrages. Doch was mussten meine entzündeten Augen da sehen? Da standen 35,80 € zu Buche! Habe ich etwas übersehen? War der Beitrag vielleicht doch höher? Aus den Vertragsunterlagen ging nichts Abweichendes hervor. In den Versicherungsbedingungen (10.2.2) wird lediglich darauf hingewiesen, dass der Wunsch nach einem späteren Vertragsbeginn der Versicherung gesondert in Textform zu übermitteln sei. 

Telefonischer Kundenservice

Nachdem ich am Telefon meinem ersten Ärger Luft verschafft habe, wurde ich gleich in die nächste Ebene durchgereicht. Dort wurde mir gesagt, dass ich zum „denkbar ungünstigsten Zeitpunkt“ diese Versicherung abgeschlossen hätte. Die Abrechnungszeiträume seien immer vom 30. bis zum 29. eines Monats festgesetzt. Das verwirrte mich noch mehr, da mit Vertragsabschluss zum 30. bereits ein neuer Abrechnungszeitraum begonnen hatte. Unglücklicherweise gehörte der 30. dieses Monats eben immer noch zum Vormonat März, wonach bei einer monatlichen Beitragsberechnung der Beitrag für diesen Monat vertragsgemäß berechnet wird – und zwar in voller Höhe! Ich erntete gleichwohl Verständnis für meinen Ärger, wollte mir allerdings erklären lassen, wieso es heutzutage nicht möglich sei, Beiträge anteilmäßig zu berechnen? Unter Hinweis auf die vorhandenen „Abrechnungssysteme“ entschuldigte sich der Mitarbeiter bei mir. Im Übrigen sei er „voll bei“ mir. Allerdings versuchte er mir zu vermitteln, dass es zum Vertragsende hin (1 Jahr) sowieso keinen Unterschied machen würde. Auf meine Frage, ob denn dann der März 2019 beitragsfrei gestellt würde, antwortete der Kundenbetreuer nur ausweichend und ohne eine konkrete Aussage zu machen. 

Ermutigung zum Widerruf

Außer „großem Verständnis“ für meinen Unmut, erhielt ich wenig Entgegenkommendes. Da ich mich noch in der gesetzlichen Widerrufsfrist befand, teilte ich am Telefon mit, dass ich den Vertrag rückgängig machen würde und gffls. zu einem „günstigeren“ Zeitpunkt neu abschließen werde. Als wäre diese Nachricht wie eine Erlösung für meinen Gesprächspartner am anderen Ende der Leitung,  ermutigte er mich zu diesem Schritt. Der Mann teilte mir freundlicherweise die Emailadresse mit, unter der ich meinen Widerruf geltend machen sollte. Und die Abwicklung ginge schnell. Nebenbei  bemerkt: Ich wäre auch mit einer anteiligen Gutschrift oder Verschiebung des Vertragsbeginns um einen Tag zufrieden gewesen. 

Der Widerruf 

Ohne großartig in die Details zu gehen und unter dem Hinweis auf mein gesetzliches Widerrufsrecht, bat ich jetzt um Stornierung des Vertrages bei der Barmenia. Immerhin erhielt ich umgehend eine Eingangsbestätigung meiner Widerrufsmail und warte jetzt ab, was passiert. 

Neuvertrag zum nächsten 1.

Mit dem Angebot der Barmenia-Versicherung waren wir grundsätzlich ja nicht unzufrieden. Von daher wollen wir die OP-Versicherung gerne neu abschließen. Wir wollten uns aber ungern darauf verlassen, dass es zum Ende des ersten Vertragsjahres in irgendeiner Form zu einer Gutschrift des Monats März kommt. Irgendwie glaube ich daran auch nicht. Zu unsicher waren die Aussagen aus dem Kundenservice. Sobald die Rückabwicklung des Versicherungsvertrages durch ist, werde ich einen neuen Vertrag abschließen. Dieses Mal zum nächsten 1. des Monats Mai. 

Fazit

Auch in einer vermeintlich modernen und computerisierten Welt scheint die Barmenia abrechnungstechnisch noch nicht auf der Höhe der Zeit zu sein. Dies führte in diesem speziellen Fall zu dem komischen Gefühl, dreist abgezockt zu werden, auch wenn es sich in manchen Augen nur um einen kleinen Betrag in Höhe von 17,90 € handelt. Vielleicht ist aber alles auch ein Irrtum meinerseits und die Barmenia legt schlüssig klar, mit welcher Begründung der 1. Versicherungstag (30. März 2018) mit einem vollen Monatsbeitrag abgerechnet wurde und welche Leistung dahinter steht.

Antwort der Barmenia Versicherung per Mail vom 11. 04. 2018

[…] Versicherungsbeginn und damit Beginn des prämienbelasteten Zeitraum ist der 30.03.2018. Zu Ihrer Verwunderung folgte eine Abbuchung in Höhe von zwei Monatsbeiträgen (35,80 EUR). Ihren Ärger darüber kann ich gut nachvollziehen. 

Aus technischen Gründen ist es der Barmenia nicht möglich, den Beitrag für den Zeitraum 30.03.2018 – 01.04.2018 „taggenau“ abzubuchen. Das bedeutet für Sie konkret: Unabhängig davon ob der Vertrag am ersten, fünfzehnten oder letzten eines Monats vereinbart wird, wird der Beitrag für den gesamten Monat abgebucht. 

Daraufhin folgt die reguläre Abbuchung zum 01. des Monats für den folgenden Monat. Aktuell sind die Beiträge bis einschließlich 29.05.2018 bezahlt (1. Abbuchung = 30.03.2018 – 29.04.2018, 2. Abbuchung = 30.04.2018 – 29.05.2018). Die nächste Abbuchung wird dann zum 01.05.2018 für den Zeitraum 30.05.2018 – 29.06.2018 erfolgen. 

Wie Sie bereits im Gespräch mit der Kundenbetreuung geklärt haben, würde es bei einer Kündigung des Vertrages zum 29.03.2019 bedeuten, dass Sie eine Gutschrift in Höhe eines Monatsbeitrages erhalten würden. 

Ihre Annahme ist richtig, dass im idealen Fall der Vertrag zum 01. eines Monats vereinbart wird. So kann das technische Problem umgangen werden. […] 


Foto: © Daniel Bär

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