B36 – Langsam zieht die Karawane…

Dörferhopping

Schon vergangene Woche wollte ich besonders schlau sein und morgens um viertel vor sieben – statt die B36 von Graben-Neudorf nach Karlsruhe zu nehmen-  über die „Dörfer“ am Stau vorbei düsen. Wie  eben schon so oft: Linkenheim-Hochstetten, Leopoldshafen-Eggenstein, KA-Neureut und dann ab in die City.

Die Sperrung der Durchfahrt am Linkenheimer Rathaus hatte ich ja noch auf Rechnung, doch die Sperrung im weiteren Verlauf durch Leopoldshafen war mir ein Rätsel. Erst später erfuhr ich aus der Zeitung, dass sich Zeus offenbar seinem Ärger über die derzeitige Baustellensituation in der Region quasi blitzschnell Luft verschafft hat und damit der Ampelanlage an der Landstrasse (K3580) und der Leopoldstrasse (L559) ihren endgültigen Todesstoß versetzt hat. Leider hat sich die Lage dadurch eher verschärft, so dass ich zu dem Schluss kommen muss, dass auf die Götter auch kein Verlass mehr ist.

Die Vorstellung, mich jetzt wieder zurück auf die B36 quälen zu müssen, löste in mir förmlich mehr seelische und körperliche Schmerzen aus, als die Abenteuerlust, das Vermächtnis des Zeus in Augenschein zu nehmen und vielleicht eine Alternativlösung zu entwickeln.

Vollsperrung

Tatsächlich war die Kreuzung voll gesperrt, so dass es mir langsam dämmerte, dass das „erhöhte“ Verkehrsaufkommen auf der B36 nach Süden hiermit im Zusammenhang stehen könnte. Und tatsächlich konnte ich vor Ort auch eine alternative Route finden, die zwar sehr zweckmäßig aber mit Sicherheit wenig erlaubt sein dürfte und die ich – ich schwöre! – auch nur dieses eine Mal benutzt habe.

Reißverschlussverfahren – schon mal gehört?

Seit Anfang dieser Woche hat sich der Spaß- und Abenteuerfaktor allerdings überholt, nachdem ich mittlerweile 60 Minuten Fahrzeit für eine knapp 20 km lange Strecke rechnen muss. Ich war es ja gewohnt, dass es sich bei den Auffahrten zur B36 von Linkenheim (-Hochstetten) und Leopoldshafen kommend zeitweise staut, doch was den Pendlerinnen und Pendlern seit ein paar Tagen zugemutet wird, ist der Super-Gau verkehrspolitischer Fehlplanung. Von Graben kommend staut sich der Verkehr früh morgens um viertel vor sieben schon bis in die Karlsruher Straße, noch bevor man auf den Beschleunigungsstreifen auffahren kann. Dieser mittlerweile zum Standstreifen mutierte  Abschnitt wird gleich zum größten Frustfaktor angesichts der Blechlawine, die Stoßstange an Stoßstange karawanengleich ihre Bahn über den Asphalt zieht. Hat man sich erst einmal eingereiht, dauert es bis zur nächsten Abfahrt Linkenheim schon mal 15 Minuten. Da sind bei mir die 7 Uhr-Nachrichten schon fast durch. Und aus Linkenheim reiht sich so Karawane Nummer zwei -im Optimalfall per „Reißverschlussverfahren“ – auf die Hauptroute mit ein. Einige Spezialisten drängeln sich schon auf den ersten Zentimetern des Beschleunigungsstreifens in den Stau. Vielleicht meinen sie, wenn sie sich gleich hinten in die Reihe stellen, so schneller ans Ziel zu kommen (?) oder aus Angst, sie könnten am Ende des Fahrstreifens bis zum Abend verhungert sein, weil doch alle Autofahrer Egoisten seien – außer sie selbst natürlich – und verstärken den Stau damit noch zusätzlich…Hier hilft nur stoische Gelassenheit bei steigendem Puls.

Die kommende Viertelstunde bis zur Abfahrt Hochstetten verläuft entsprechend dem ersten Teilabschnitt und bietet kaum Lichtblicke auf Besserung der Reisegeschwindigkeit. Endlich kann man mal bei Schrittgeschwindigkeit, nur unterbrochen vom zeitweiligen Stillstand, gefahrlos am Handy daddeln und dem Chef schon mal sagen, dass man sich um mindestens 4 Stunden verspätet. Schatzi ist noch zuhause und läßt mittlerweile den dritten Kaffee aus dem Automaten, während ich selbst gefühlt gerade mal los gefahren und um die erste Kurve gebogen bin – jedenfalls entfernungstechnisch.

Erst nach etwa halbstündigem Stop-and-Go entspannt sich die Lage dann an der Abfahrt Eggenstein. Dies nicht zuletzt wegen der Erweiterung auf zwei Fahrspuren und den Ausbau der Auffahrt durch einen zusätzlichen Beschleunigungsstreifen. Letztere Straßenbaumaßnahme bietet doch spürbare Entlastung.

Mäandernd außenherum? Nicht ratsam.

Dennoch ist die Stausituation zwischen Graben und Eggenstein in den Morgenstunden derzeit unerträglich. Die Sperrung der Landesstrasse L560 von Blankenloch in die Waldstadt (bis Ende Oktober), die aktuelle Baustellenlage auf der A5 Bruchsal-Karlsruhe und das Blitzschlag-Desaster in Leopoldshafen mit der damit verbundenen Vollsperrung zwingen die Pendler unausweichlich auf die Ausweichroute B36. Wer meint, aus Graben über Liedolsheim / Dettenheim wenigstens den ersten Stauabschnitt umfahren zu können, wird spätestens bei der Ortsausfahrt Bismarckstrasse / Rheinstrasse auf der K3532/3533 unter Hinweis auf die ebenfalls gesperrte Ortsdurchfahrt Dettenheim jäh ausgebremst und auf den Boden des Baustellenalbtraums zurückgeholt. Doch selbst, wenn die Ortsdurchfahrt frei wäre, fände man sich spätestens in Karawane zwei wieder, die sich gleichfalls zäh in Richtung  B36 bewegt. Eine echte Zeitersparnis wäre wohl auch hier nicht drin.

Der Weg über die Pfalz scheint mittlerweile eine ernsthafte Ausweichoption zu sein. Der tägliche Stau über die Rheinbrücke bei Wörth scheint vergleichsweise harmlos gegenüber dem Stauchaos auf der B36.



Lichtzeichenprobleme im Zeitalter 4.0

In unserer hochtechnisierten, digitalen Welt, ist es mir schleierhaft, wieso es für die zerstörte Ampelanlage in Leopoldshafen bis Ende diesen Jahres keine andere technische Lösung geben soll, die wenigstens zu den Stoßzeiten ein Stück weit Entlastung bringen könnte. So etwas wie „Verkehr 4.0 – digitaler Wandel in der Verkehrsplanung“. Wenn ich lesen muss, dass „Baustellen-Lichtzeichen nicht mit dem System der AVG kompatibel“ seien (BNN 11.10.2016), dann klingt das kaum glaubwürdig angesichts vieler anderer komplexer Baustellen – gerade in Karlsruhe.Beispielsweise wurden am Mühlburger Tor zeitweise ebenfalls Baustellen-Lichtzeichen eingesetzt. Die Welt programmiert sich einen Wolf, fliegt zu Mond und Mars und scheitert am Lichtzeichenproblem einer irdischen Kreuzung. Drei Mal kurz, drei Mal lang, drei Mal kurz möchte man jetzt in die Flure der Verkehrsplaner leuchten.

Still ruht die Baustelle

Kaum vorstellbar, dass wir Verkehrspolitiker haben, denen am Ende nichts anderes einfällt als die billigste aller Lösungen, nämlich die Vollsperrung auszurufen, ohne an die Folgen zu denken.  Als ich an jenem Tag vor jener Absperrung stand, war die Kreuzung dunkel, still und einsam. Von Sanierungs- oder Reparaturmaßnahmen – auch vorbereitende – war nichts zu erkennen, während parallel auf der B36 der Frust tobte.

Im Zusammenhang mit den im Oktober kurzfristig angekündigten Sanierungsarbeiten an der L560 habe ich das Gefühl, – wenn vielleicht auch nicht in diesem Fall beweisbar- dass  zum Ende eines Jahres schnell noch überschüssige Gelder aus Landes- oder Bundesmitteln in Maßnahmen gesteckt werden, damit diese im neuen Jahr nicht weggekürzt werden.

Politikerausflug auf der B36

Am Ende überwiegt der morgendliche Frust auf der B36, und außer guten Ratschlägen („nutzen Sie doch den ÖPNV“) gibt es wenig konkrete Maßnahmen, um die Situation kurzfristig zu verbessern. Vielleicht sollten wir alle verantwortlichen Verkehrsplaner morgen früh um halb sieben auf einen kurzen Ausflug mit dem Bus einladen mit Einstieg  „Festplatz Neudorf“ und Ziel „Karlsruhe City“. Nein. Was sag ich, nicht nur morgen, die ganze Woche und kommende Woche und die Woche danach….  Vielleicht könnte es passieren, dass dann doch „kurzfristig und überraschend eine technische Ampellösung für Leopoldshafen“ gefunden wird.
Blogverzeichnis - Bloggerei.de




6 comments

  1. Robert Schmid - Antworten

    Ja wenn halt jeder alleine in seinem Auto fahren muss wird’s halt manchmal eng auf den Straßen. Vielleicht ist der Tipp mit dem ÖPNV zu fahren gar nicht so schlecht. Fahrgemeinschaften wären vielleicht auch etwas.

    • Willi - Antworten

      ja bei wechselten Baustellen kann ich nicht mit ÖPNV fahren ich benötige ein fahrbaren Untersatz!!!

  2. Katja Meyer - Antworten

    Fünf Sterne für diesen tollen Bericht, der mir voll und ganz aus der Seele spricht. Besonders toll finde ich den nicht verlorenen Humor Angesicht der doch sehr prekären Lage. Mein Morgen ist nach dem Lesen der Zeilen schon ein wenig heller, obwohl ich gerade auch von dieser Odyssee komme. Eigentlich muss ich nur über die Brücke zur Einfahrt Nord am Campus Nord und brauche für 10 km teilweise eine Stunde.

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: