4 Gründe warum Bauträger pleite gehen

Obacht bei der Wahl des Bauträgers

Schlüsselfertiges Bauen liegt im Trend. Angesichts historisch niedriger Zinsen ist der Bauboom ungebrochen. Die Wahl des passenden Bauträgers machen Bauherren von grundsätzlichen Überlegungen abhängig.

Z.B.

  • Hausart (Bungalow / Einfamilienhaus / Mehrfamilienhaus)
  • Bauweise (Fertigbau / Stein auf Stein)
  • Haustechnik
  • Kosten

Erhöhtes Insolvenzrisiko der Branche

Ist die Entscheidung einmal gefallen, übernimmt der Generalunternehmer die Koordination der einzelnen Gewerke und rechnet je nach Bauabschnitt mit dem Bauherren ab. Wenn alles gut geht, steht zum vereinbarten Termin das mängelfreie Haus zum Einzug bereit.  Wie hoch aber ist das Risiko, dass es der Generalunternehmer wirtschaftlich nicht überlebt und in die Insolvenz geht, bevor das Projekt fertig gestellt ist? Woran lässt sich ein solches Risiko erkennen? Im Juni 2016 lag das Ausfallrisiko für „Bauträger für Wohngebäude“ bei 1,83%. Das bedeutet, dass 2016 von 1.000 Bauträgern in Deutschland 18 Unternehmen Insolvenz anmelden mussten. Zum Vergleich: Das Risiko über alle Unternehmen in Deutschland lag 2016 bei 1,54%. Damit besteht für diese Branche ein leicht erhöhtes Insolvenzrisiko. An Geschichten zu Einzelschicksalen gebeutelter Häuslebauer gibt es keinen Mangel. In TV-Sendungen wird das Thema genüsslich breit getreten, wobei die Generalunternehmer meist schlecht wegkommen. Die Schäden sind dabei enorm, und oft bleibt der Bauherr auf den Kosten sitzen, weil der Bauträger selbst an seine Liquiditätsgrenze gekommen ist. Als verantwortlicher Koordinator hat er für den reibungslosen Ablauf zu sorgen und die Baukosten zu überwachen.  Geht es auf einer Baustelle nicht weiter oder fällt ein Handwerker aus, wird es für den Generalunternehmer schnell teuer.

Liqudität is King

Und hier liegt auch schon eines der großen Probleme, die den Bauträgern schnell die Luft nehmen. Diese müssen zuverlässige Handwerker finden, die ihrerseits über ausreichend Liquidität verfügen, um z. B. Baumaterialien vorfinanzieren zu können. Die Handwerkerkosten müssen im Rahmen bleiben, um den mit dem Bauherrn vereinbarten Kaufpreis nicht zu sprengen. Den Gewerken hierfür mit Vorauszahlungen unter die Arme zu greifen, können sich viele Bauträger nicht leisten. Hinzu kommt, dass viele gute Handwerker nicht bereit sind, die Dumpingpreise der Generalunternehmen zu akzeptieren. Deshalb weichen sie auf lukrativere Aufträge aus, die sie beim aktuellen Bautrend leicht finden können. Da Bauträger auf das Handwerk angewiesen sind, müssen sie häufig auf weniger renommierte Betriebe zurück greifen, die – aus welchen Gründen auch immer – auf die Aufträge der Branche angewiesen sind und die die Billigpreise akzeptieren. Das führt in Einzelfällen zu Mängelrügen beim Endkunden, was wiederum den Bauträger in Bedrängnis bringen kann.



Merkmale beachten

Achtet bei der Wahl Eures Bauträgers auf folgende Merkmale:

  1. Unternehmensalter
    Je länger ein Unternehmen am Markt ist, desto geringer ist sein Insolvenzrisiko. Nach 5 Jahren sinkt das Ausfallrisiko signifikant.
  2. Regionalität
    Ein norddeutscher Bauträger, der im Südwesten Wohnhäuser baut, hat eine andere – für den Bauherren intransparentere- Kostenstruktur als regionale Bauträger. Für bundesweit tätige Generalunternehmen ergeben sich aufgrund ihrer Größe zahlreiche Möglichkeiten, ihre wahre finanzielle Lage zu verschleiern. Kleinere, regional tätige Unternehmen genießen mehr Vertrauen.


    2012 habe ich den Prozess gegen die Pleite gegangene IBG-Haus GmbH aus Büdelsdorf (SH) verfolgt. In Kiel nahm ich aus beruflichen Gründen selbst an einem Prozesstag teil. Dort wurden die Forderungen der Commerzbank, des Finanzamtes Kiel und die existenzbedrohenden Forderungen einiger Handwerker gegen IBG-Haus verhandelt. Die Millionenforderungen, die die Commerzbank abschreiben musste, quittierten die Banker mit einem Achselzucken, während die Handwerker  auf wenigen tausend Euro verzichten mussten, die sie an der Rand ihrer Existenz brachten. 


  3. Eigenkapital
    Über das Internet habt Ihr Zugang zum elektronischen Bundesanzeiger. Sofern Euer Bauträger gesetzlich verpflichtet ist (z.B. als GmbH), seine Bilanz zu veröffentlichen, könnt Ihr dort einen ersten Eindruck über die finanziellen Verhältnisse gewinnen. Auch wer kein großer Bilanzexperte ist, kann hier anhand einiger weniger Eckdaten ein paar Hinweise auf Probleme bekommen: Ist z.B.  die Summe der Verbindlichkeiten auf der Passivseite mit der Bilanzsumme fast deckungsgleich, könnte dies ein Hinweis auf Liquiditätsprobleme sein. Finden sich in der Bilanz  „nicht durch Eigenkapital gedeckte Fehlbeträge“, dann solltet Ihr in jedem Fall näher hinschauen.Das bedeutet, dass das Unternehmen kein Eigenkapital mehr hat und -zumindest bilanziell- überschuldet ist. Der Kostendruck für das Unternehmen ist enorm und erhöht das Insolvenzrisiko um ein Vielfaches. 

    Negatives Eigenkapital

    Negatives Eigenkapital

    Lasst Euch vom Bauträger (wenn möglich) die aktuelle Selbstauskunft einer Wirtschaftsauskunftei (z.B. Creditreform) vorlegen. Dort erhaltet Ihr einen guten Überblick über Alter, Historie und Beteiligte des Unternehmens, wie auch Infos über die Zahlungserfahrungen anderer Kunden oder Lieferanten. Gerichtliche Negativmerkmale findet Ihr dort ebenfalls vermerkt. Diese bedeuten einen gerichtlich festgestellten Ausfall einer Forderung. Nachstehende Grafik zeigt Euch, wie es aussieht, wenn das Unternehmen bereits zahlungsunfähig ist. Der Bonitätsindex orientiert sich am Schulnotensystem.

    Bonitätsindex

    Bonitätsindex

     

  4. Weitere Signale für drohende Schwierigkeiten können sein:
    – häufig wechselnde Ansprechpartner beim Bauträger
    – unbegründete Verzögerungen auf der Baustelle
    – viele Mängelrügen
    – hohe Vorauszahlungen

Welche Erfahrungen habt Ihr schon gemacht? Ich freue mich auf Eure Kommentare!


Bildnachweis: lizenzfrei von www.pexels.com / Quelle: Creditreform

3 comments

  1. Christian Tomita - Antworten

    Grüße aus Berlin! Immer wenn ich mal Pause habe scrolle ich etwas in deinem Blog herum. Ich kann mich nur für die vielen Informationen bedanken, die Sie hier präsentieren und kann es kaum erwarten, einen Blick zu werfen, wenn ich nach Hause komme. Ich bin erstaunt, wie schnell dein Blog auf mein Handy geladen ist .. Ich bin nicht einmal mit WIFI drin, nur 3G – aber zum Glück geht es trotzdem halbwegs! 😀

    • Daniel Bär - Antworten

      Hallo Christian,
      herzlichen Dank für Deinen Kommentar. Ich habe mich sehr darüber gefreut und hoffe, Dich auch weiterhin als Leser behalten zu dürfen. Über Dein Feedback zur schnellen Ladezeit auf Deinem Handy haben ich mich besonders gefreut. Ich arbeite nämlich ständig daran, die Performance der Seite zu optimieren. Vielen Dank und viele Grüße aus Graben-Neudorf 🙂

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: